Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Die Aufklärung. ihn edel macht, hilfreich und gut, ihm Gunst gewinnt in den Augen Gottes und der Menschen. * * * Und die Anwendung?! Da muss noch einmal aufs energischste hervorge hoben werden, dass es sich für uns nicht darum bandelt, Aufklärung zu bringen cöer gar aufzudrängen, sondern dort, wo das unabweisbare Verlangen danach vorhanden ist, ihr entgegenzukommen und die Befriedigung des Bedürfnisses in die rechte Wege zu leiten. Und da erscheint cs uns freilich nötig, nach einem erzieherischen Plane vorzugehen. Wie ist es jetzt? Da werden in das Volk die neuesten Theorien geschleudert, was in Naturwissenschaft, Seelenkande, Literatur und Politik eben erst ausgeheckt und von den popularisierenden Schriftstellern selbst nicht einmal verdaut ist. Und dort, wo die Religiosität sozusagen gefördert werden soll, eine bald süssliche, bald mystische Romantik, die noch nicht einmal in der Seele der Autoren eine fest umrissene Gestalt gewonnen. Mit diesem Durcheinander werden die־ unvorbereiteten Gemüter beglückt. Was Wunder, dass sie eben so in sich zerrissen sind, wie die, die ihre Führer sein wollen und dass sie naturgemäss, da das Extreme immer noch die geschlossenste und am leichtesten einprägbare Form der Orientierung bietet, dem Radikalismus auf allen Gebieten sich unterwerfen. Wir wissen wohl, dass man eino Entwicklung nicht künstlich zarückschrauben kann. Man kann nicht einmal die Schale, geschweige denn die dieser entwachsene Masse von den Einflüssen absperreo, die die literarischen und politischen Helden der neuesten Zeit auf sie üb8n und die durch alle Ritzen sickern würden, wollte man auch leinen Damm gegen sie aufrichten. Aber wohl vermag man das Interesse durch andere Lektüre zu fesseln, es so durch gesunde Nahrung in einen bestimmten Ideenkreis zu bannen, dass dadurch die Neugier im eigentlichsten Sinne, die Gier nach dem Neuesten abgestumpft und die Gefahr paralysiert wird. Dazu eignen sich nicht die Werke unserer neueren ״Nationalliteratur41. Denn mit Ausnahme verhältnismässig weniger jüdischdeutscher und neuhebräischer Dichter, die wahrhaft schöpferisch