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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Die Aufklärung. י 9 innere Zerrissenheit, Abgeklärtheit des Denkens und Fühlens, Vereinigung klassisch antiker Bildung mit den Errungenschaften der Wissenschaft ihrer Zeit. Keiner von den genannten Grossen ist als Bekenner des schlichten Offenbarungsglaubens zu bezeichnen, nicht einmal Herder, der eben dadurch verbittert war, weil sein Amt ihn in Conflikt brachte mit seinem inneren Denken und Fühlen. Für Lessing genügt es an seinen ״Wolfenbütteier Ungenannten״ an die ״Erziehung des Menschengeschlechts״ und wenn man es genau nimmt an seinen ״Nathan den Weisen״ zu erinnern, für Göthe an seinen Pantheismus, für Schiller an seine ״Sendung Mosis״. Und endlich der ganze Kant stellt sich uns nicht so dar, wie er auf Grund seiner Lehre von den Postulaten von den Theologen gern als Stütze der positiven Religionen herangezogen wird. Wir sehen ganz ab von seiner Abneigung gegen die Religion des Judentums. Aber sein Kampf gegen jede Heteronomie des Sittengesetzes, seine Hypothesen über die Entstehung des Kosmos (bekannt unter dem Namen: die Kant-Laplace’sche Theorie) seine Schrift: *Was ist Aufklärung״, und vieles andere zeigen zur Genüge, dass er freilich durchaus nicht in der Methode, hier ist er ja eben der Alleszermalmer, aber nach dem Umfang seines Glaubens zu den Deisten zu stellen ist. — Und dennoch! In der tiefsten Wurzel fberühren sich die klassischen Werke dieses Höhepunkts der Weltliteratur in der neueren Zeit mit den idealen Forderungen des Judentums. Das reine Menschentum, das sie fordern, ist die Grundlage, die der thoratreue Jude gelegt haben muss, um mit Erfolg dem Mehr zu genügen, das ihm das Gesetz der Thora auferlegt. Und es ist auch wiederum das Ziel, zu dem er vermittelst der Erfüllung eben dieses Gesetzes hinstrebt. Ohne die Einsicht in die Notwendigkeit einer von Wissen und Erkenntnis getragenen und erfüllten Religiösität bleibt das Gesetz eben Gesetz, angelernte Menschen- Satzung, die vor den schlimmsten Auswüchsen schützt, aber nicht das Erziehungswerk vollbringt, das die Thora an uns vollbringen will. Und das Höchste, das man von den vollendeten Juden rühmen darf, ist, dass die Erfüllung seiner Gottesgebote

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