Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Aufklärung. kann. Aber wenn er in demselben Satze fortfährt: ״aber die ganze Natur sehreit es uns zu, dass Er existiert״, so ist das seine glühende Ueberzeugung, der kaum Einer so beredte Worte ver-׳ liehen, wie eben Voltaire. Die ״Aufklärung“ schlägt in ihr Gegenteil um bei Rousseau. Der Kampf gegen die vernünftelnde Klügelei, gegen die Flachheit des rein Verstandesmässigen für das Recht der natürlichen Empfmdung, das Recht de3 Herzens fand in ihm einen wirksamen Propheten. So unsympathisch sein Charakterbild uns aus seinen ״Bekenntnissen״ entgegentritt, das sich noch hässlicher gestaltet durch die zeitgenössischen Berichte, sein Einfluss auf die Zeitgenossen ist kaum hoch genug zu schätzen. Was schadete es, wenn er in seinen Schriften ״über die Künste und Wissenschäften״ ,,über die Ungleichheit zwischen den Menschen“, der Bildung übertreibend den Krieg erklärt, die Menschen in ihrer ursprünglichen Gleichheit mit den Tieren zusammenstellt und alle Unterschiede auf die gewaltsame Verkünstelung durch Ge- Seilschaft und Staat zurückführt, so dass Voltaire spottend bemerkt: ,,noch niemals habe jemand so viel Geist aufgewandt um uns zu Bestien 7/a machen; man bekomme förmlich Lust, auf allen Vieren zu laufen (citiert bei Hettner, Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts II. S. 421).״ Seine aufbauenden Gedanken in dem grossen Erziehungsroman ״Emil“ und im ״Gesellschaftsvertrag״ haben noch heute den Wert von Grundlehren über Erziehung, Staat und Gesellschaft. Mehr aber noch als der Denkinbalt hat die Glut, mit der Rousseau seine Lehren vortrug, eine ganze Generation hingerissen. Wieviel die französische Revolution, die Sturm- und Drangperiode in der deutschen Literatur, die Umwälzungen in der Erzieh™ gslehre, nicht zum wenigsten Pestalozzi der hinreissenden Beredsamkeit Rousseaus verdanken, ist allzubekannt als dass es weiter ausgeführt zu werden brauchte. Uns interessiert hier vor allem Rousseaus Stellung zur Religion. Sie ist sicher nicht eine solche, dass wir sie für den Offenbaruugsgläubigen in Anspruch nehmen könnten. Im zweiten Teil des ״Emil״ ist sogar recht viel an Argumenten gegen den