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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Die Aufklärung. 5 stobt Milton mit seiner erhabenen Schöpfung des ״Verlorenen Paradieses“, neben Mandeville, dem Verfasser der Bienenfabel; die wie in einer Nuss alles zusammendrängt, was von der Notwendigkeit der Laster, der Armut und der Not für den Bestand der Welt zu sagen ist, Shaftesbury, der grosse Optimist, der Verherrlicher der Einheit der Wahren, Guten und Schönen, der Künder des klassischen Ideals, neben Swift, dem grossen Satiriker, dem Höhner aller Institutionen der bürgerliehen Welt Defoe, der das Hohelied geschrieben von dem Menschen mit dem unverlierbaren Gottvertrauen, der auf sich selbst gestellt aus dem Nichts sich ein Paradies schafft, neben und nach den mannigfachen Formen der Entartung des Lustspiels und des Romans: die moralischen Wochenschriften Addisons und Steeles und die sittenreinen und sittenfördernden Y0n inniger Frömmigkeit erfüllten Romane Addisons, Goldsmiths und Richardsons, nach der nüchternen Verstandesdichtung Popes die Nachtgedanken Youngs. Bei fast allen aber im Mittelpunkt die Religion, wo sie die alte Form bekämpfen, doch mit Herzblut sich mit ihr auseinandersetzend, wo sie für sie eintreten, mit Wärme und Feuer und glühender Inbrunst. Aus den bereits erwähnten Gründen bietet die französische Aufklärungsperiode ein anderes Bild. Die völlig verrottenen Zustände unter dem Absolutismus Ludwigs XIV. und XV. und der Regentschaft Hessen ein ganz anderes Geschlecht von Stürmern erstehen, die, wie sie die Grundlagen der politischen Verhältnisse und der sozialen Schichtungen mit gutem Grunde aufs heftigste befehdeten, auch* die diese verteidigende oder duldende religiöse Weltanschauung zum Gegenstand erbitterter Angriffe machten. Aber das eine darf man auch hier nicht vergessen. Auch hier spielt die Religion eine für die Begriffe unserer Zeit ganz überragende Rolle. Um die beiden grössten hervorzuheben, so sind Voltaire und Rousseau, so paradox das gerade bei dem ersteren klingt, durch und durch religiöse Naturen. Man kennt zumeist Voltaire nur als den grossen Zerstörer, der mit der ätzenden Lauge seines Spottes die überlieferten An- Behauungen zersetzt. Seine Leichtfertigkeit, Eitelkeit und Selbst-

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