Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 602 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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€02 R. Jisroel Salanter u. die Mnssarbewegaog. gestiegen, um seine Seele zu veredeln und seinen Stolz niederzuringen sondern um die Herzen der Hörer zu bezwingen und ihnen die Lehre der Wahrheit zu künden; wenn er beschämt unter dem Hohngelächter der Menge hinunterginge, dann würde ja seine ganze Mühe vergeblich gewesen sein, und er könnte sein Vorhaben nicht zum guten Ende bringen. Dieser Sieg über die ethische Stimme in seinem Innern und die Unterdrückung seiner tiefen Bescheidenheit zugunsten seines Planes schien ihm eine der großen Prüfungen, die er im Verlauf seines Eingens bestehen mußte im Dienste seines erhabenen Ideals. — Und ferner bekundeten seine Schüler, daß er in Wahrheit seiner Ursprung־ liehen Absicht nicht untreu wurde, seinem Plan, seine Größe und den Strahlenglanz seines Antlitzes vor der Mitwelt zu verbergen. Im Herzen blieb er zeitlebens ein Einsamer. Denn auch wenn er sich offenbarte, war es eine neue Verhüllung. Wenn er in der Oeffentlichkeit erschien, war es, als ob er ״eine Handbreit aufdeckte, um zwei Handbreiten zu bedecken.״ Er entfernte die ihn verbergende Hülle nur dort, wo es nötig war, und nur soviel, wie der Moment es erforderte. Stets wenn er in Versammlungen erschien, stellte er viele Erwägungen im Innern an und überschaute mit scharfem Blick die Männer, die ihn gerade umgaben; er konnte sie mit psychologischem Scharfblick hinreichend einschätzen, um danach den Grad seiner Demaskierung einzurichten und das geistige Niveau zu bestimmen, das er einhalten musste. Die Stunden der *Enthüllung* waren, ihm die schwersten seines Lebens. Viel Schmerz litt er und sein Herz war wund : vielleicht hatte er nicht Maß gehalten und seine Seele entblößt, wo es zu verhüllen galt; und möglicherweise hatte er seine Pfiicht verabsäumt und sich seines Einflusses nicht hinreichend bedient, vielleicht hatte er sein Licht verborgen und seine nutzbringende Kraft nicht wirken lassen, wo es Not tat? Ein3t — so erzählen seine Schüler — boten ihm die Vorsteher der הברת משדות vom Kownoer בית המדרש die Ehre an, den üblichen *הדרן“ zu sagen, und er nahm sie an; er überraschte alle durch seine wunderbaren Geistesschätze. Nach seinem Vortrag fanden ihn die Schüler verdrossen und