Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 599 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
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R. Jiarocl Salanter u. die Mussarbewegung. 599 Worte), ihn zum Gottesdienst erzog und ihm die Augen öffnete für das Offenbare und Selbstverständliche. Zunächst fasste R. Jisroel die Worte seines Lehrers buchstäblich auf, dass nämlich jeder verpflichtet sei, täglich eine kurze Stunde dem Studium der Mussarwerke zu weihen, die des Menschen Herz zur Gottesliebe und -furcht begeistern; ferner hielt er es für geboten, die Veredlung des Charakters anzustreben und nicht nur auf Vermehrung des Thorahwissens sondern auch auf seeliche Vervollkominnung und Vergeistigung bedacht zu sein. Um dies ethische Ziel zu erreichen, dachte er daran, den Weg zu gehen, den schon viele Grosse der vergangenen Generationen gewählt hatten: ins Exil zu gehen und als Eremit zu leben; seine Weisheit und seine edlen Taten vor der Menschheit zu verbergen und sein Innenleben, die innere Welt, dem ungetrübten Ideal gemäss zu gestalten, frei von jeder Beeinflussung von aussen und ohne den Schatten einer unlauteren Tendenz oder Neigung zum Kompromiss. Schon traf er die erforderlichen Vorbereitungen, lernte die Traktate des Talmud mit Tossaphoth und den übrigen Kommentaren, um sich mit der Thorah auch dann beschäftigen zu können, wenn er in der Gesellschaft fremder Menschen war. Den halben Talmud mit Tossaphoth beherrschte er schon dem Wortlaut nach, da wurde er plötzlich anderen Sinnes und änderte seinen ursprünglichen Plan. ״Nein“, sagte R. Jisroel, ״der Mensch darf nicht isoliert leben und nur um sein eigenes Heil besorgt sein. Wer als Einsamer lebt, kann freilich leichter und unangefochtener zu individueller seelischer Vollendung gelangen, aber kann nichts zum Besten der übrigen tun, wenigstens nicht in angemessener Weise.״ So entschloss er sich, aus der Zurückgezogenheit hervorzutreten und in der Oeffentlichkeit im Glanz seiner talmudiscken Grösse zu erscheinen. Ein grosses Ziel steckte er sich, ein Ziel, das ihm als Lebensaufgabe erschien, um derentwillen er sich geschaffen und in die Welt gesandt glaubte (R. J. Blaser *in seinem Buch S. 40 im Namen seines Lehrers), um seine Lehre in Israel zu verbreiten, die Mussarlehre. Seine bedeutenden Fähigkeiten und seinen talmudischen Scharfsinn hielt er für ein Gottesgeschenk, das ihm der Himmel