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Jeschurun · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November 1920) · p. Seite 598

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 598 (sequence 102)
Language
German
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698 R. Jisroel Salanter u. die Massarbewegung. Ausgangspunkt und das Ziel aller Weisheit ist: dem Studium der Ethik. Da erfuhr R. Jisroel, dass Gottesfurcht eine Weisheit ist, die erlernt werden muss, durch Erziehung und ununterbrochene Bemühungen; nicht wie früher die litauischen Rabbiner glaubten, und zum grossen Teil noch glauben, dass Gottesfurcht dem Menschen von selbst zuteil werde als Frucht des Thorah- Studiums und lediglich der Erfüllung der religiösen Gebote. Für R. Jisroel und alle Gelehrten seiner Zeit war R. Sundeis Forderung ein Neues. In den Jeschiwoth und den sonstigen Lehrhäusern jener Zeit gab man sich nicht mit dem Studium der Mussarschriften ab und betrachtete Diskussionen über sie als Kennzeichen geringer Befähigung und Geistesarmut; nur der Am Haarez und die große Masse lasen oft in diesen Büchern, weil ein Blatt גמרא mit הוספות ihrem Verstand eine zu schwere Kost war. Hier ist nicht der Ort. die Gründe dieser befremdliehen Tatsache zu erörtern und aufzudecken, wie es dazu kommen konnte, daß ein an Umfang und Wert bedeutender Teil der Thorah aus dem Lehrhaus verbannt wurde. Tatsache ist, daß dieser Zweig jüdischer Gedankenwelt, die Mussarlehre,. der unsere Weisen דל ganze Traktate widmeten und die Grössten der ראשונים und'אחרונים ihre Kraft weihten, zum Tummelplatz der Laien wurde und den Gelehrten als מוקצה erschien. Keinesfalls lässt sich das historische Faktum verheimlichen, dass R. Jisroel wieder als erster die Pforten der Jeschiwah für das Mussarstudium erschloss und so die ״verstossene״ Lehre wieder in das jüdische Lehrhaus einführte. Nicht leicht wurde es ihm, diese Bresche zu legen. Weiterhin soll der Leser erfahren, wieviel Mühe es kostete, und welche Kämpfe der grosse Fromme, seine Schüler und deren Schüler ausfechten mussten, um ihrer verfehmten Lehre Anerkennung zu verschaffen. Doch war es ihm sonnenklar, dass ״es fiir einen Juden ebenso unmöglich ist, ohne Beschäftigung mit Mussar 7zur Gottesfurcht zu gelangen, wie ohne Augen zu sehen oder ohne Ohren zu hören.“ (Dies die Worte des רי״ס nach dem Zeugnis von R. J. Blaser im oben genannten Buch). Diese Erkenntnis verdankt er seinem Lehrer R. Sundei, der ״ihn auf die Füsse stellte“ (dies seine eigenen

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