Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 574 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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574 Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. besagt, nicht übernehmen, weil er dafür keinen Glauben auf Seiten des Volkes — und dies mit Recht — finden werde. Denn, wäre es überhaupt denkbar, dass für irgend einen, und wäre es der letzte in Israel, nachdem einmal ein Befehl im Namen Gottes gegeben worden ist, ein Unterfangen, das auf ein Ueberschreiten eben dieses Befehles hinausliefe, im Bereiche der Möglichkeit läge?! Er würde damit seine Sendung notwendig berechtigtem Zweifel aussetzen, indem man ihm gegenüber mit voller Berechtigung die Tatsache ausspielen könnte : Läge dem ersten Befehle ein göttlicher Auftrag zu Grunde, dann trägt er als solcher die höchste, unüberbietbare Geltung in sich, und jeder Versuch, der darauf hinausliefe, ihm eine höhere Autorität zu verleihen, könnte nur in sein striktes Gegenteil Umschlagen, — in den Zweifel nämlich an seinen Ursprung. Hat der aber erst einmal Platz gegriffen, dann ist Wiederholung eben desselben Befehles das untauglichste Mittel, ihn zu beschwören. Wer könnte sich hier angesichts der Offenbarung der höchsten ^Reinheit, wie sie mit einer wahrhaft himmlischen Freiheit in der grossen und doch so kindlich naiven Seele Moses gepaart ist, des grössten Staunens entschlagen? Man weiss nicht recht, soll man angesichts dessen den erhabenen, einzigen Akt der göttliehen Offenbarung, oder den Akt der Offenbarung einziger menschlicher Seelengrösse und Reinheit mehr bewundern? Wenn ססרק כ״ד־ statt einer Lösung des Knotens scheinbar nichts denn eine nochmalige Wiederholung des erteilten Befehles bringt, so darf dabei nicht übersehen werden, dass er aber vor allem den Umstand in den Vordergrund rückt — was bisher nicht geschehen war—dass dieses Verbot Mose undAhron gegenüber nicht Platz greifen solle. Lag da nicht angesichts der einzigen Szenerie, die der unvergleichliche Akt der Offenbarung vor den Augen des Volkes aufrollen sollte, mit Recht das in der menschliehen Natur nur all zu tief begründete Bedenken nahe, dass der eine oder andere trotz aller seelischen Bindung dem Zwange nicht werde widerstehen können, indem er aufsteigende Bedenken mit dem Gedanken beschwichtigen werde: durfte Moses ohne ״Schaden sich über die gesteckte Grenze Linwegsetzen, warum