Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 572 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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572 lieber den Begriff der Ehe im Judentum usw. BeziehuDg auf seine Eigenart als Mensch vollkommen hilflos dastehe. Daher heisst es im V• כ״א unter offenbarem Hinweis auf den Gedanken, von dem der ganze Vorgang seinen Ausgang nahm אעשה לו עזר כנגדו, höchst feinsinnig ולאדם לא מצא עזר כנגדו, nicht aber — wie man allerdings unter vollkommener Preisgabe des Gedankens hätte erwarten sollen —: ולו לא מצא עזר כנגדו. Nachdem die תורה in den vv. כ״א—כ״ג den Vorgang bei der Schöpfung des Weibes auf eine höchst dezente Weise geschildert hat, wird in dem V. כ ד dessen Bestimmung gekennzeichnet in den Worten: על כן יעזב איש את אביו ואת אמו ודבק באשתו ודר״ לבשר אחד. Da dem ersten Menschenpaare gegenüber von einem Verlassen des Vaters und der Mutter im eigentlichen Sinne nicht gut die Rede sein konnte, so kann dieser Satz nur für das ethische Moment in Betracht kommen. Der Mensch darf eben, wie oben gezeigt worden ist, für die ganze Dauer seines Lebens eines Korrektivs in Bezug auf sein Tun und Lassen nicht ermangeln. Hat er dieses bis zum Auftreten der geschlechtlichen Reife in der Leitung von Seiten der Eltern gefunden, so 8011 er es nunmehr im Zusammenleben mit dem Weibe weiter finden. Die Gewähr, die es ihm nach der Richtung hin bietet, soll für die Wahl ausschlaggebend sein. Das ist der Sinn des Wortes ודבק באשתו, was nur einen Zusammenschluss in ethischer Hinsicht bedeuten kann wie דברים ד פסוק ד. Nun kommen wir zur angegriffenen Stelle ורדו לבשר אחד. Was die neutestamentliche Auslegung aus dieser Stelle macht, läuft auf einen vollkommenen Widersinn hinaus, verrät auch nicht eine Spur des Verständnisses für die feine Stilkunst in der Sprache unserer תורה. Der Ausdruck נשר, bedeutet hier wie in ויקרא ט״ו פסוק ה׳ ג׳ י״פו oder ,י״ח פסוק ו das Geschlechtsorgan und ist als Metonymie aufzufassen und besagt daher nichts anderes als ״geschlechtliche Gemeinschaft״* Da die geschlechtliche Gemeinschaft in diesem Satze als der Endzweck der Ehe in vormosaischer Zeit hergestellt wird, so haben unsere Weisen mit Recht in diesem Momente das ausschlaggebende Kriterium der Ehe nach noachidischer Lehre gefunden. {Maimon. 'ד.לכ׳ מלכים סרק ט׳ הל״ ה und פרק א, מהלב, אישות הל, א׳). Der reine sittliche Charakter der Ehe ist von Abraham in sei-