Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 554 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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654 Von den Aufgaben usw. wältigen. Wohl gibt es auch im nationalen Lager Denker, die durchaus falsche Bahnen einschlagen. Keiner von ihnen kann aber, den geistig-seelischen Voraussetzungen gemäss, je so weit in die Irre gehen wie jene, da sie doch an die lebendige Volksgemeinschaft gekettet sind. So haben tatsächlich die stärksten Autoritäten der Assimilanten, die durchaus dem Judentum glauben dienen zu können, mehr als der traditionsfeindlicbsteNationalist das Wesen der jüdischen Volksseele und ihrer Bestimmung verkannt Ich verlange nicht Selbstverleugnung vom Schriftsteller. Auch in der jüdischen Geschichte tauchen neuartige Phaenomene gelegentlich auf, die auf den Widerstand des überwiegenden Teiles der echten Kulturträger stossen; und doch haben sie Daseinsrecht, weil sie gewisse Lücken ausfüllen : der Chassidismus, die Mussarbewegung in Litauen. Aber diese Bewegungen wurden ja stets von Männern inauguriert, die die innigste Liebe an ihr Volk und seine Geschichte und Eigenart band, und waren bestimmt, die überlieferte Kultur zu stützen. In der Gegenwart aber sind sich viele Neuerer dessen bewusst, dass sie sich allen religiösen und nationalen Ueberlieferungen entgegenstellen, und doch wollen sie die Wegänderung erzwingen, weil ihnen, den verarmten Seelen, nicht anders ein Verharren im Judentum möglich ist. Diese Männer müssten die Grösse haben zu schweigen, wenn sie nicht die grössere Selbstüberwindung zustande bringen, die Ideale des Volkes anzuerkennen und ihnen zu dienen. Aber von der lebensfrischen Gesamtheit zu verlangen, dass sie sich Ideen verschreibe wie der Angleichung an die Wirtsvölker und der Verflüchtigung der sehr bestimmten jüdischen Religion zu blassem, ganz unspezifischem Monotheismus, das ist eine unerhörte Forderung. Aber das ״Nil nocere“ (keinen Schaden anrichten) ist nur die erste Stufe. Das wäre noch ein allzu geringer Dienst für das Volk. Die Feder des Schreibers, das beredte Wort des Denkers soll neue Wendungen, vertiefte Deutung alter Weisheiten finden, neue Erkenntnis alter paaren, um die alte zu erhöhen. Der Schriftsteller muss die Feindseligen versöhnen, die Gleichgültigen wecken, die Beschränkten weiser machen, überall Liebe und Stol&