Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November 1920) · p. Seite 553

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 553 (sequence 57)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293003--04610-2297892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Von den Aufgaben u8w. 553 mit soviel Sorgfalt, mit soviel Sachkenntnis und Selbstkritik, in solcher Formvollendung und persönlicher Zurückhaltung geschrieben worden. Wie wenige kennt er die Verpflichtung, die der Schriftsteiler gegenüber seinem Volk hat. Und so wird er sogar zum Bewahrer von Formen und Gesetzen, denen seine Ueberzeugung nicht mehr gehört. — Die neue Vorrede, die er der Neuausgabe seiner Werke vorausschickt (8. Der Jude, dieser Jahrgang 5/6) ist ein Musterbeispiel der Bescheidenheit und der massvollen Betrachtungsweise gegenüber historischen Ereignissen. 4. Wir haben von den Pflichten gesprochen, die der jüdische Autor gegen sich selbst als Träger des Denkens, gegen die Kultur des jüdischen Volkes, also gegen die Tradition hat, und die Beziehungen gestreift, die zur Kultur der Umwelt für ihn bestehen können. Es bleibt nun noch eins zu erwähnen übrig: was schuldet der Schriftsteller der lebendigen Gemeinschaft, seinen Zeitgenossen und ihren Erben, den künftigen Geschlechtern? Auch dieses Problem lässt sich hier nur in Andeutungen erledigen, zumal wir hier nicht auf di© einzelnen Gruppen der Autoren eingehen. Das Wesentliche ist schon gesagt, indem wrir vom Autor Respekt vor der Ueberlieferung erwarten. Wir können hier einen Schritt weitergehen und fordern, dass er auch zur Festigung und Vertiefung beitrage. So kann auch der freie Schriftsteller, der nicht; direkt Dinge der Ilalachah etc. zum Gegenstand seiner Untersuchungen macht, zum Mitarbeiter am Bau der Tradition werden. Es versteht sich von selbst, dass ein Schriftsteller nicht eigenwillig sich dem gesunden Volksempfinden entgegenstemmen darf. Aber wir haben es gar zu oft in den letzten Dezennien erlebt, dass man in Autorenkreisen weniger die Lebensnot- Wendigkeiten der Gesamtheit als die eigenen Launen zum Massstab nimmt. Sonst könnten nicht in Deutschland weite Kreise ungezügelter Assimilation und Preisgabe eigener Werte und Hoffnungen huldigen. Aber so sehr hat sich das Solidarität»- gefühl gelockert, dass deutsch-jüdische Autoren, die nur losen Zusammenhang mit unserem Volk haben, sich anmassen, das jüdische Problem von ihrem abwegigen Standpunkt aus zu be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.