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Jeschurun · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November 1920) · p. Seite 552

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 552 (sequence 56)
Language
German
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552 Von den Aufgaben usw. Viel bereitwilliger müsste Anerkennung für wertvolle Leistungen gezollt werden. Und auch in der Wahl der Gegenstände und in der Gestaltung soll das Ethos zum Ausdruck gelangen. Das לא לכבודי ולא לבגוד בית אבא ist noch lange nicht genug zum Leitsatz geworden. 3. Die Forderung, das jüdische Element im Denken bestimmend sein zu lassen, soll freilich keineswegs dahin führen, fremde Kulturkreise bewusst auszuschalten. Der moderne Denker und Autor kann an ihnen nicht ohne Schaden Vorbeigehen. Ich gebe freilich zu, dass es i’n der Theorie leichter ist zu behaupten, dass die jüdische Denkart dadurch nicht erschüttert zu werden braucht, als in der Praxis. Es gehört eine sehr sichere jüdische Basis dazu, keinen Schaden durch die neuen Eindrücke zu leiden. So ganz allgemein lässt sich da kein Schutzmittel empfehlen. Nur das ist beinahe selbstverständlich, dass die Durchdringung mit jüdischen Gedanken vorangehen muss, und dass diese auch während der Beschäftigung mit den fremden Kulturen gepüegt werden müssen. Insbesondere wenn man dessen bewusst bleibt, worin die Besonderheit jüdischer Art und Mentalität besteht, wird dem fremden Kulturgut der richtige Platz angewiesen werden. Es braucht nicht bei jedem Detail die Frage gestellt zu werden: Was sagt dazu jüdische Anschauung? Nur muss — unausgesprochen — die unterste Grundlage und das äusserste Ziel von unserem System her bestimmt sein. Unter diesen Kauteien ist gewiss reicher Gewinn aus der Kultur der Völker um uns zu ziehen. Hier ist nicht der Ort, das auszuführen. Der jüdische Schriftsteller aber ist berufen, sie der jüdischen Literatur nutzbar zu machen und aus jener neue Bausteine für die jüdische Gedankenweit zu gewinnen. In grosszügiger Weise hat z. B. Achad Haam es verstanden, unser Schrifttum durch die Einfügung moderner Ideen zu bereichern, und er wäre überhaupt das Vorbild des jüdischen Autors, wenn er nicht allzu sehr im Bann gewisser Lehren z. B. der Entwicklung stände und die Grundsätze des Thorajudentums zu leicht opferte. Aber sonst hat er ausserordentlich viel .Vorzüge und könnte manchem Autor zum Leitstern werden: selten nur sind Essays in unserer Zeit

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