Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 551 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von den Aufgaben usw. 5*1 ausserhalb der hebräischen Sprache Yollwertige Untersuchungen für unmöglich zu halten. Im Gegenteil: es liegt mir daran zu betonen, wie wenig unter Vernachlässigung des literarischen Gutes und der Treue zur Anschauung der Tradition die hebräische Sprache vor schwersten geistigen Entgleisungen schützt Das ist ja auch kein Wunder. Eine Sprache kann keine allmächtige Beschützerin des Geistes sein. Aber eins kann sie — und darauf kommt es mir in diesem Zusammenhang an: sie kann bei erhaltener Integrität des Denkens seine Resultate fördern und erhöhen. Denn indem wir in deutscher Sprache hebräische Stoffe behandeln, übertragen wir nicht hebräische Worte in deutsche, sondern wir denken primär deutsch, in deutschen Wörtern und Worten, unter dem Einfluss deutscher Autoren und germanischer Kultur. Da ist es kein Wunder, wenn wir oft entgleisen oder unsere Ergebnisse uns oft fremd anmuten. Nur in Ausnahmefällen ist das Denken so ungeteilt und in seiner jüdischen Reinheit ungetrübt, dass seine Resultate und sein Weg restlos befriedigen. Es sind jene harmonischen jüdischen Seelen, die keine Umwelt entwurzeln oder beeinflussen konnte, zu denen wir uns deshalb so hingezogen fühlen. Deshalb muss sich der jüdische Schriftsteller sättigen mit jüdischem Wissen und Wesen. Es ist unmöglich, dass er auf seinem Weg Erfolg hat, wenn er nicht lange, bevor er gestaltet, seine Seele gestalten lässt vom Gesamtkomplex unserer Literatur. Willig muss er zunächst Schüler sein des Geistes und der Sprache und muss noch lange seine eigenen Versuche prüfen durch Vergleich an dem historischen Schrifttum. Insbesondere auch bedarf er der Schulung durch die ־!Dia-Werke, damit er weiss, was er Freunden und Feinden schuldet. Der jüdische Autor müsste sich dadurch vorteilhaft von seinen fremden Genossen unterscheiden, dass sein Denken eine angewandte Ethik ist auch dort, wo nicht ethische Stoffe das Material der Unter- Buchung bilden. Genaue Quellenangaben sind gewiss eine Tugend und sollten, nebenbei gesagt, viel gewissenhafter geübt werden, als es gemeinhin geschieht; aber sie sind doch nur der primitive Beginn eines vertrauten Verhältnisses zwischen den Schaffenden.