Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 550 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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550 Von den Aufgaben usw. lichung seiner Denkresultate sein. Weiss er doch, wie selten ein Gedanke unerbittlicher Prüfung standhält. 2. Der jüdische Autor muss eine ungeteilte jüdische Per״ sönlichkeit sein; er darf nicht gespalten sein in seiner Men talität. Die Notwendigkeit jüdischen Wissens wollen wir nur im Vorübergehen als unbedingte Notwendigkeit kennzeichnen. Es gewährt ihm nicht nur die notwendigen Grundlagen sondern setzt ihn auch ^in den Stand, neuartige Erkenntnisse richtig auszudeuten. Denn nur die Sättigung mit jüdischen Kenntnissen befruchtet den Geist derart, dass er neue Stoffe dem jüdischen Charakter der alten angleichen kann. Doch ich will hier etwas anderes hervorheben: es gibt nicht wenige Autoren, denen es an Wissen der Literatur nicht fehlt, die aber dennoch in ihrem Denken oft erstaunlich jüdische Art oder Gesinnung vermissen lassen. Hier offenbart sich die Gefahr, die unserer geistigen Entwicklung in der Diaspora aus der Berührung mit fremder Denkart erwächst. Besonders in der Polemik erweist sich diese ungünstige Beeinüus sung. Man braucht dieses Kapitel der Literatur nicht zu überschätzen; aber für die Psychologie der Autoren ist es besonders aufschlussreich, weil sie sich hier gewöhnlich weniger Zwang antun und oft genug ihren Groll zur Entladung kommen lassen. Hier könnte es sich erweisen, ob ein Schriftsteller bereits zur ethischen Reife gelangt ist. Wohl haben auch unsere Alten mit scharfen Waffen gekämpft, und Worte wie: דברי ההכם לא היו ולא נבראו sind nicht selten. Aber eines fehlt in ihren Kontroversen oder ist doch sehr selten: das ist die Ironie und der Hohn, der heute so oft die literarische Welt vergiftet. Man kann sein ganzes Leben über halachische und ethische Dinge schreiben und doch nur sehr bedingt das Wissen fördern, wenn das Temperament and die Grundstimmung dem Stoff und seiner Durchdringung nicht günstig sind. — Ganz gewiss ist unserer Sache nicht geringer Schaden daraus erwachsen, dass jüdische Ideen und Problem• nicht in der hebräischen Sprache behandelt werden. Ich weiss wohl, dass ganz hervorragende Arbeiten auch in fremden Sprachen geschrieben sind, und bin nicht Fanatiker genug, um