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Jeschurun · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November 1920) · p. Seite 542

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 542 (sequence 46)
Language
German
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542 Aus dem Leben der Schule. Geistige auch auf die unterbewussten Tiefen unseres Wesens zu wirken vermocht hat und noch heute vermag. Eine solche Aufzeigung des Geistigen im Sinnlichen, wie wir sie suchen, verhilft unserer Jugend zu einer Anschauung vom Judentum im Sinne des Goetheschen Wortes: Anschaun — wenn es dir gelingt, Dass es erst ins Innre dringt, Dann nach aussen wiederkehrt, Bist am herrlichsten belehrt. So hat der grosse Hillel sein Judentum ״angeschaut“. ״Nächstenliebe ist der Kern, das andere die Erklärung — nicht mehr noch weniger. Nun geh und lerne!״ So drang sein Blick ״erst ins Innre1־', in das fromme Erlebnis selbst, um dann ״nach aussen wiederzukehren“ zu all den Lebensformen frommer Innigkeit. Er sah das Judentum wie Goethe die Natur. Und wie der Philister es sehr merk würdig findet, «lass Goethe der grosse Dichter ״und dennoch'־' der Erforscher anatomischer und optischer Einzelfragen war — der arme Philister, der nicht ahnt, dass der Blick, weil er so lief ins Innre drang, liebevoll alles Aeussere zu erfassen suchte, und nie so lief ins Innre hätte dringen können, wenn nicht die ganze Fülle der Erscheinungen ihn mit ehrfürchtigem Staunen erfüllt hätte, — so registriert der brave Rationalismus eines Professors fliit ernstem Kopfschütteln, dass Michael Sachs ein Mann von feinstem ästhetischem Empfinden ״und dennoch“ ein gesetzestreuer und gesetzesfreudiger Jude gewesen ist; so meint die Unwissenheit eines in später Reue zum Judentum zurückstrebenden Dichters, Jehudah Hallevi habe sich abgewendet von den Fragen der Halacha und nur die Poesie der Haggadah auf sich wirken lassen. Nicht auf die Berichtigung eines geschichtlichen Irrtums über den Verebrer des grossen Aifasi kommt es liier an sondern auf den psychologischen Trugschluss: vielleicht keiner unter den grossen Philosophen des Mittelalters dankt der Halachah soviel wie der Dichter und Denker, der in den Geboten seines Schöpfers heilige Engel (Kusari III, 11), Vermittler der ,בנד.#, der nachbarlich uns umschwebenden Herrlichkeit Gottes, geahnt hat.

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