Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 543 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Leben der Schule. 5a Gerade weil er Künstler war, also Stoff zu durchgeistigen, Mannigfaltigkeit zur Einheit zu runden befähigt — gerade darum konnte ihm weder, wie spekulativ veranlagten Naturen, der Nachweis der Richtigkeit der Ideen des Judentums genügen, noch eine mechanische, keinerlei Geist im Körper der Gesetzesformen ahnende Hinnahme; die künstlerische Einheit des Judentums zu erweisen, die vollendete Ausprägung abstrakter Wahrheit im sinnfälligen Gewände seiner Formensprache — das war die Aufgabe, die ihm vorschwebte, mochte er Piutim schreiben oder ein — wTie Laien es nennen — philosophisches Buch. Der Vergleich zwischen dem Verstehen der Religion und dem eines Kunstwerks, den er gelegentlich zieht (Kusari V 16), scheint uns weiter ausftihrbar, als ihm selbst anscheinend bewusst geworden ist. Wohl bleibt hier wie dort ein letzter unerklärlicher Rest, ein geheimnisvoller Schleier, den man nicht weginterpretieren darf, um nicht die heilige Schönheit zu zerstören: das Wort Goethes, je inkommensurabler eine Schöpfung sei, um so wertvoller sei sie, gilt von der Religion vielleicht in noch höherem Masse als von der Kunst. Darin hat Jehudah Hallevi recht: religiöse Schöpfungen lassen sich nicht a priori konstruieren wie mathematische Wahrheitern Aber allerdings lässt sich, wie er es beim Sabbath, beim Gebet gezeigt hat. ihr Sinn und ihre religiöse Bedeutung nachträglich aufzeigen, wenn man an die Wirkung denkt, die sie auf die gläubige Seele üben und geübt haben. Wo der Lehrer die ״heiligende״ Wirkung des Religionsgeset-zes■in Jehudah Halievis Sinne aufweist, ist daher gleichgültig: es gibt ja kein Gebiet des Lebens, das nicht irgendwie geweiht würde durch die Ordnungen des Judentums. Die Hauptsache ist nur, dass ihm selbst jene Wirkung zu vollem Erlebnis geworden ist. Dann wird es ihm allenthalben leicht fallen zu zeigen, wo die letzten Quellen, unserer religiösen Kraft liegen — und warum sie der Aussenstehende niemals begreifen kann. Denn allerdings: der Ivo hie gleichen die heiligen Ordnungen unseres Glaubens:: Sonnenstrahlen haben seit Jahrtausenden Wärme und Licht in ihr aufgespeichert; wirtragen sie in unsere kalten Wohnungen, dass sie sie durchleuchte und