Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 540 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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540 Aua dem Leben der Schule. das Ibsens * Brand״ beldagU eine erhabene Stimmung auf das gesamte Leben hinüber und gibt unserer Berufsarbeit, unserer Körperpflege, unserem Familienleben einen höheren Sinn. Nicht mit der Darstellung einer in sich geschlossenen Lebensanschauung darf sich der Unterricht begnügen und nicht mit dem apologetischen Nachweis, dass unsere Bibel1) höchste Ideale der Lebensgestaitung aufstellt, ohne sie nach Art des Urchristentums phantastisch zu überspannen und dadurch ihre Durchführbarkeit und ihren ethischen Wert zu gefährden; vielmehr ist der Erweis höchster Geistigkeit im S i n n f ä 11 i g s t e n 2), in dem von uns Gesehenen, Gehörten, Geübten Hauptaufgabe eines Unterrichts, der die Freude am Judentum selbst und Hingabe an sein Pflichtenleben wecken soll. Und man glaube nicht, dass nur gesetzestreue Kreise für einen solchen Appell an das Sinnfällige empfänglich sein könnten. Während der ersten Niederschrift dieser Zeilen gelangte der schöne Aufsatz eines Feldrabbiners3) über den *) Ich notiere kurz, dass selbstredend auch der Midrasch, den der Geschichtsunterricht nur mit grosser Vorsicht heranziehen wird, der systematischen Religionslehre beste Dienste leisten kann: näheres ein anderes Mal. 2) Ich will die Beispiele nicht häufen und daher nur anmerkungsweise daran erinnern, wie leicht schlichte Einzelheiten des religiösen Gebrauchs in den Dienst höchster religiöser Gedanken gestellt werden können. Man kennt Rabbi Joehanans grossen Gedanken, seit dem Fall des Heiligtums sei der häusliche Tisch an Stelle des Altars getreten. Die Gesinnung, die sich darin ausspricht, dass jedes Haus ein Heiligtum werden soll, lehrt das Judentum nicht nur, sondern es lässt sie unmittelbar erleben: indem wir Salz auf den Tisch stellen zur Erinnerung an das Salz, das nach der biblischen Vorschrift (Lev. 2, 13) zu jedem Speiseopfer dargebracht werden soll; indem wir hedeckten Hauptes zu Tische gehen, Kindern verbieten, sich auf den Tisch zu setzen u. dgl. m. Es gibt für den Religionslehrer keine schönere Aufgabe, als das Grösste im Kleinsten zu zeigen: und das ist bei diesem Beispiel, glaube ich, schon Kindern gegenüber möglich. 8) Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums öo, 5. Der Verfasser — Rabb. Dr. Reinhold Lewin — gehört nicht der gesetzestreuen Richtung an. Freilich liest man da S. 11: ״Kein Orgelhall erstickte keimende Andacht“; aber man braucht heute doch wohl nicht mehr ״orthodox* zu sein, um Heines Gegenüberstellung des Gesangs