Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 539 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Leben der Schule. 539 Zionisten aus unserem alten Tempelweihefest eine ״Makkabäerfeier“ machen und sie begehen in dem Bewusstsein ״Jude, wärest Krieger einst; Jude, wärest Sieger einst“, haben sie das religiöse Fest ganz naiv in den Sedanstil (dem sich neuerdings ein um nichts besserer Marnestil zur Seite gestellt hat) übertragen; es ist ganz konsequent, wenn der eine oder der andere der jungen Herren das Purimfest abschaffen will, u. z. ״nicht aus den Bequemlichkeitsgiündcn, aus denen die Reform Feste beseitigt hat“, sondern weil es sich auch bei dem höchsten Mass guten Willens in eine reine Siegesfeier mit stolzem Kraftgefühl nicht umbiegen lässt. Gerade in demjenigen, was solchen jenseits der Religion stehenden Jünglingen unverständlich bleib(, liegt das eigentümliche Jüdische unserer Art des Feiems — und zugleich dasjenige, was unseren Festen ewigen Sinn und Dauer gegeben hat bis in Zeiten hinein, da jeder Sedan- und Marnejubel längst verrauscht sein wird. . . . So lehren uns die Lebensordnungen des Judentums in ihrer stummen Sprache Schuld und Schicksal des Einzelnen und der Gesamtheit religiös erfassen. Ebenso leiten sie uns in den heiligsten wie in den alltäglichsten Momenten: von geweihten Ruhepunkten strahlt (ganz anders wie in dem Sonniagskirchentura, bloss innerhalb einer gewissen Zeit Wertvolle wird eben als solches angesehen und erkannt. Die Erinnerungen Israels feiern die Offenbarungen Gottes im Leben des Volkes, die Wendepunkte und Begebnisse, in welchen sich der Mittelpunkt des Glaubens und der Lehre — die allwaltende Macht seines unsichtbaren Herrn und Gebieters — erfüllt; wo er dem in seinem tiefsten Innern, in seinem Glauben und seiner Ueberzeugung bedrohten und dafür und darum leidenden Volke Hülfe und Rettung brachte. Oder es sind die Kämpfe des Volkes für sein höchstes, heiligstes Besitztum, für den Kern seines geschichtlichen Lebens, für den Boden, den es sein unveräusserliches Gut nennt, den es hie aufgegeben hat und nie aufgeben darf — jene Kämpfe, die es mit Löwenmut führte gegen tyrannische Willkür und den übermütigen Trotz der Gewalt, die in der Fülle ihrer Mittel auch die Begründung ihrer unrechtmässigen Forderungen zu besitzen glaubte. Eroberungszügo und Waffentaten, die eben nichts weiter waren als dies, fanden in dem Volke des Glaubens und der Gotterkenntnis, dem Volke der Aufopferung mnd Treue für seine geistigen Güter keinen Boden und keine Stätte“.