Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November 1920) · p. Seite 538

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 538 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293003--04595-2297877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

*38 Aus dem Leben der Schale. kann nicht verzweifeln. Schillers Troerinnen verlassen den geliebten Heimatboden mit dem Verzweiflungsruf: ״Wie glücklich sind die Toten!“ Die Genossen Jeremias rufen nach Stefan Zweig: ״Auf, Brüder, lasset uns gottwärts ziehen!“ Das zeigt den Unterschied zwischen der Trostlosigkeit des blinden Schicksalsglaubens und der Hoffnung einer Frömmigkeit, die ״trotz allem und allein“ (אף גם זאת) an ihrer Zuversicht auf den Lenker der Geschichte festhält, mit voller Deutlichkeit. Erst wenn die Betrachtung des geschichtlichen Leids durchgeführt ist, kann die Art, wie das Judentum freudige Erinnerungen begebt, verstanden werden. Denn auf den ersten Blick scheinen Feste, wie Pessach, Chanukkali, Purim mit den Siegesfesten anderer Völker eine sehr weitgehende Aehnlichkeit zu haben. Und doch sind sie grundverschieden. Religiöse Betrachtung lässt den Ton des Triumphes nicht aufkommen, der über jenen modernen Siegesfeiern schwebt: wir beginnen die Pessachleier mit dem Hinweis auf das ״Brot der Not“ (fast batte ich Kriegsbrot geschrieben), das wir haben essen müssen; unser Chanukkahgebet rühmt den Gott, der ״die Starken in die Hand der Schwachen, die Vielen in die Hand der Wenigen — die Unreinen in die Hand der Beinen“ gegeben1). Indem manche 1) Ich möchte hier einen Absatz aus Michael Sachs’ Predigten (herausg. von Rosin, I. 18G6, 298) hersetzen, um zu zeigen, wie viel noch heute der Religionslehrer trotz ihrer freilich gänzlich unmodernen Form aus ihnen lernen kann: ״Schlachten und Kriege und Triumphe, Kämpfe und Siegeszüge und glorreiche Taten, — in denen des Einzelnen heldenmütiger Sinn oder unerschütterliche Taoferkeit sich bewährt und erprobt, ohne dass solcher Kraftaufwand und solcher Mut im Dienste eines höheren Gedankens, eines edlen Sinnes, einer ewigen Idee sich geäussert; in denen um den Länderbesitz, um ein breiteres oder schmäleres Stück Erdenscholle ward gerungen, deren Ertrag und Ausbeute die glänzendere Stellung nach aussen oder eine Erweiterung der äusseren Macht gewesen, — die hat die Geschichte Israels nicht verewigt, durch kein bleibendes Zeichen und Zeugnis in dem Bewusstsein des Volkes befestigt. Es batte auch Israel seine Zeiten des Glanzes und Ruhmes, hatte seine Zeiten einer bedeutsamen, einflussreichen Geltung in dem Rate der Nationen; aber dafür wird da3 Gedächtnis der Zukunft nicht in Anspruch genommen, das Vorübergehende und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.