Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 537 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus dem Leben der Schule. 5S7 bedeuten kann, a!3 sein Onkel Salomon und die anderen Herren vorn Hamburger Tempel mit seinen ״gerührten Predigten und orthographisch richtigen Gesängen,“ Neben der religiösen Betrachtung des Einzelschicksals steht die religiöse Geschichtsbetrachtung, Dass das Gefühl des geschichtlichen Zusammenhangs des Einzelnen mit seinem Volke und dessen Vergangenheit durch gemeinsame Feste gepflegt werden kann, ist die unbewusste oder bewusste Ueber־• zeugung aller Volkserzieher gewesen. Aber das Kennzeichende unserer jüdischen Geseiiichtsfeiern ist, dass sie uns die Geschichte religiös erleben lassen: dankbar und demütig im Glück, reuevoll und zugleich voll Vertrauen im Leid. Schon die Tatsache, dass das Judentum Leidenstage feiert (also nicht dies atri, d. h. Tage, an denen der Aberglaube Unglück befürchtet1), wie namentlich Römer und Babylonier), ist ausserordentlich kennzeichnend. Mich fragte einmal eine Schülerin, weshalb jüdische Frömmigkeit von jener passiven quieiistischen Art ganz frei sei, wie wir sie bei Annette von Droste-Hülshoff als spezifisch katholisch hatten kennen (und in ihrer Art schätzen) lernen: der Jude habe doch ungleich mehr durchgemacht. Die Lösung liegt in der Art, wie unsere Feste uns das Geschichtliche erleben lassen. Gewiss: ein 9. Ab, dessen gedankenlose Feier durch blosses Nioht-essen man doch auch bei Mädchen nicht dulden sollte, lässt nie den Gedanken an das Unrecht schlafen, das uns im Laufe der Jahrhunderte angetan wurde. Aber verzweifeln lässt er uns nicht. Er klingt aus in die ״Trosthotschaft“ (נחמו!) des grossen Zukunftskünders, die die Einleitung zu den sieben ״Trost-Haft aroth“ bildet. Denn wer das Unglück religiös erlebt, es also als Teil des grossen Weltplans, als Sühne unserer Schuld, zu begreifen sucht, der נ) Natürlich hat es auch Juden gegeben, die dem Einfluss abergläubischer Begriffe der Umwelt nicht widerstanden haben. Es gibt eben auch eine sehr orthodoxe Assimilation. Aber mit dem Begri selbst haben solche Ausgestaltungen so wenig zu tun wie die abergläubischen Motive, aus denen gewisse Leute den Jom Kippur halten, mit dem wrahren Sinne des Tages.