Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 536 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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536 Aus dem Leben der Schule. muss, wie aus der Verbindung von Schofarton, Tefillab, Gesang, und, wenn man will, Predigt die volle Erlebniswirkung sich ergibt, Israel also, indem es das biblische Festgebot weiter ausbaute und religiös auswertete, nach einem kühnen (vielleicht dem kühnsten) Worte des Talmud zum ״Mitarbeiter des göttliehen Gesetzgebers“ geworden ist. Auch darin, dass es von seinem Schöpfer gelernt hat. auf den ganzen Menschen religiös zu wirken, nicht nur auf seinen Geist. Wir erkennen nicht nur die Grösse des Sabbath im Geiste (deutlicher vielleicht als vergangene Geschlechter), wir erschauen seinen Glanz in der Weihe unserer Kleidung, unseres festlichen Tisches, wir hören seine ernste Fröhlichkeit in den Weisen unserer Lieder, ja, nicht nur die Zunge spürt die Auszeichnung des Tages: sogar mit seinem Dufte scheint er uns scheidend zu grüssen. Das war der ungeheure Fehler des Rationalismus1), der bis in die vorige Generation hinein in jüdischen Kreisen fast unbestritten herrschte und noch heute manche unserer Besten im Gegensatz zu ihrem eigenen Empfinden in seinem Bann hält: dass er nur das מGedankenhafteu schätzte und alle Formen nur nach ihrem Gedanken - darstellenden, also symbolischen Werte zu würdigen wusste, statt nach ihrer unmittelbaren Wirkung auf das Leben selbst, auf die Erzeugung religiösen Empfindens. Der arme Heinrich Heine, der voll Ironie, aber doch mehr sein als des Judentums spottend, in der Prinzessin Sabbath und selbst in den unsauberen Bildern der ״Bilder von Lucca2״) den frommen Juden am Sabbathtisch und beim Gruss der Sabbatbbraut zeigte, — er hat im Grunde richtiger geahnt, was Judentum ist und einer über den reinen Vernunftkultus hinausgewachsenen Zeit 1) Ein gutes Hilfsmittel zu seiner Ueberwindung ist die Lektüre des Buchs von R. Otto. Das Heilige, das mir hei der Anstellung der obigen Betrachtungen noch nicht bekannt war, und dessen Wert dadurch keineswegs geschmälert wird, dass es die Bedeutung des Begriffes der Heiligkeit für das Judentum nur von fern ahnt. 2) Einiges zitiert R. E. May, Jeschurun VI, 129, in einem Aufsatz, dessen Tendenz, die Eigenart der jüdischen Sabhathfeier klar herauszuarbeiten, recht viel Nachhall in weitestem Umfang finden möge, sowohl in der Literatur wie im Unterricht.