Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 535 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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A113 dem Leben der Schule. 586 scnanah so ganz anders verläuft als S i 1 v e s t e r. Hier wie dort wird das gleiche erlebt: der Anfang eines Jahres. Aber am Rosch hascbanah erleben wir ihn religiös. Und ich brauche keinem jüdischen Lehrer der Religion zu zeigen, was er bewusst oder unbewusst tausendmal empfunden: wie jene vier Formen des religiösen Erlebnisses, von denen in unserer einleitenden Beobachtung die Rede war (des Glückes wie des Unglücks, des Verdienstes und der Schuld), zum Ausdruck kommen im Ritual des Tages. Sterbekleidung und feierlicher Sang füllen das Herz mit jener Demut, die den .unentbehrlichen Mutterboden der Gottergebenheit herstellt. Als König tritt uns dann in unseren Gebeten und Schriftverlesungen der Vater alles Seins entgegen, der selbst die Reinsten zitternd 11m sich sieht am Tage des Gerichts, höchste Opferbereitschaft von uns verlangt, aber die Hingabe des blutenden Vaterherzens (Thorahverlestmgvon Abrahams Opfer), der vertrauenden Mutier (Ilaftarah von Hannah!) mit liebender Erbömng lohnt. Und wenn uns der Schofarten von der alten, falschen Entschlossenheit (1. TekiaL) über Reue und Erschütterung (Teruah, Scheborim) zu neuem, reinem Entschlüsse (2. Tekiah) iühren zu wollen scheint, so krönt der einzige, unvergleichliche Tag יים כפור ה״עחד das Werk: der das Blossmensehiiche in uns händigt und den Gottesfunken seine Herrsehergewa!t über den Staub empfinden lehrt, der unserer Seele den Spiegel vorn alt, aber nicht um uns niedeizndrücken mit der Wucht der katholischen Seelenmesse (dies irae: Faust I!), sondern um uns emiporzurichten durch die Beispiele wahren Fastens, wahrer Roue (Ilafmroth:). bis die freudige Zuversicht, zur Reinheit sich emporschwingen za können, sich auslöst im befreienden Ausklange des Schofoitones. Gans schwach wage ich anzudenten, was Berufene weit schöner dargestellt haben: nur um zu zeigen, wie leicht es dem Unterricht fallen muss, den Nachweis zu führen, dem unser gesamter Unterricht zustrebt: dass das Judentum uns nicht bloss religiöse Gesinnung lehrt, sondern sie unmuteibar erleben lässt. Und weiter wollte ich dem Lehrer zeigen, dass er nicht allzustreng Thorah, Rabbinisches, Mittelalterliches trennen darf, vielmehr gerade nachweisen.