Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 534 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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534 Aus dem Leben der Schule. sinn erzieht. ״Heilig“ will uns die Thorah machen; Gottesglaube und Rechttun sind Symptome der Heiligkeit, nicht ihr Inhalt. Heilig sein bedeutet aber im jüdischen Sinne auch nicht die Zurückziehung aus dem Leben, den Verzicht auf seine begriffliche Erfassung und praktische Beherrschung. Heilig sein bedeutet: unseren gesamten Lebensinhalt (Weltbild, Ergehen, Tat) religiös erleben und danach handeln. Zu einer wissenschafilichen Darstellung einer solchen Auffassung vom Judentum ist hier nicht der Raum. Wohl aber darf ich zu erzählen suchen, wie ich Gedankengänge, die sich aus obigen Voraussetzungen ergeben, sechzehnjährigen Schülerinnen nahezubringen suchte in einer Reihe von Betrachtungen, die — das darf ich wohl sagen — dem Lehrenden wie den Lernenden nicht so bald aus dem Gedächtnis schwinden werden. ״Was heisst religiös erleben?“ Ich erzählte zur Antwort auf diese Vorfrage von einem Elternpaar, das einen blühenden Sohn im Felde verloren hatte. Der Vater, den ich besuchte, ein Mann aus streng frommem Haus, wenn auch selbst den Formen des überlieferten Judentums nicht treu geblieben, war gefasst. ״Ich weiss mich aufzurichten“, sagte er mir. ״Ich sag’ mir: alles zum Guten. Und der da oben weiss, was er meinem Ernst hat ersparen wollen. Aber die Frauen, die sind, nicht immer so fromm. Meine Frau weiss sich nicht zu helfen.“ Hier haben wir den Gegensatz religiösen und nicht religiösen Erlebens deutlich. Der religiöse Mensch nimmt alles aus Gottes Hand. Und deshalb kann er im Unglück nicht verzweifeln, im Glück nicht übermütig werden. Aber auch sein Tun sieht er in Verbindung mit dem Göttlichen. Hat er recht getan, so erlebt er die demütige Hoffnung, dass der Lohn der ersten Mizwah die nächste Mizwah sein möge. Und hat er unrecht getan, so erfährt der religiöse Mensch die R^ u e, die vom materialistischen Standpunkt aus das törichteste aller Gefühle ist: La Mettrie hat die Konsequenz bekanntlich gezogen und die Reue verworfen. Haben wir solche ganz einfache Erwägungen (sie sind bei einigem Geschick schon 13 jährigen Schülerinnen klar zu machen) Torausgeschickt, so stellen wir die Frage, wrarum Rösch ha-