Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 533 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Leben der Schule. 533 wenn man ״in dieser Z u y e r s i c htt ihn trägt״. Von hier aus ergibt sich die Einsicht in die Notwendigkeit und Bedeutung des religiösen Gesinnungsunterrichts. So wichtig die Darbietung des ״Ringes״ sein mag: ebenso wichtig ist die Vermittlung der ״rechten Zuversicht״: des Glaubens an die religiös weihende, unser Leben in seiner vollen Breite durchdringende Kraft der Thorah, und daraus sich ergebend, des Willens, uns selbst dieser Kraft mit voller Seele hinzugeben. Denn der Glaube an die weihende Kraft der Religion und der Wille zur Hingabe an diese Kraft sind in Wahrheit nicht zweierlei. Der Glaube erzeugt notwendig den Willen. Wer sich einmal die volle Bedeutung des Talmudwortes klar gemacht hat, dass ״die Gebote nur zur Läuterung der Menschen gegeben sind“, der erkennt, welch unglaublichen Selbstwiderspruch es bedeutet, wenn man das Heilmittel nimmt und gleichzeitig seiner Wirkungskraft beraubt — ״dem Manne gleich, der zu seiner Reinigung ein Tauchbad nimmt und den befleckenden Gegenstand in der Hand behält“, wie ein talmudisches Gleichnis lautet. Daher muss sich rechter ״Mussar“, rechte Weisung zu religiöser Innerlichkeit, nicht bloss an das Gewissen wenden, sondern vor allem an den Intellekt, um die rechte Auffassung religiösen Pflichtenlebens zu erzeugen. Geschähe es nicht, so bestände die Gefahr, dass man bestenfalls Persönlichkeiten erzieht, die einerseits religiöse Menschen, andererseits gesetzestreue Juden sind, ohne dass beide Seiten ihres Wesens viel miteinander zu tun haben, — anstatt dass die innere Frömmigkeit aus der Gesetzesübung erblüht und die Gesetzestreue aas der Herzensfrömmigkeit zugleich Kräftigung und Verinnerlicbung erhält. Wenn wir daher unseren Kindern zeigen, dass der Sinn der äusseren Gesetzlichkeit die innere Frömmigkeit ist, so bedeutet das nichts weniger als eine Degradierung der frommen Uebung zu Gunsten der Innerlichkeit, sondern im Gegenteil: ihre Rechtfertigung aus unseren höchsten und letzten Idealen. Denn allerdings erschöpft sich unseres Erachtens der Sinn oder das ״Wesen“ des Judentums nicht darin, dass es den reinen Gottesglauben lehrt und zu Nächstenliebe und Familien-