Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 532 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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£32 Aus dem Leben der Schule. Und wenn sie nicht überhaupt die einzige bleiben soll, so liegt das daran, dass eben jene verständnisvolle Einfugung, die wir fordern, die Anregung der Innerlichkeit des Lernenden voraussetzt, die Weckung des Verständnisses — nicht für den Sinn jeder einzelnen Mizwah, sondern für den der religiösen Uebung überhaupt, für die Einheit, die sich in der bunten Mannigfaltigkeit des religiösen Pflichtenlebens offenbart. Mag sein, dass solche Forderung eines Verständnisses der Religion von innen heraus nicht überall möglich ist, da sie die Fähigkeit und Neigung zu eigenem Denken vorausset/.t: Rabbiner Hirsch wusste sehr gut, weshalb er sich nur an ״ '!ssroels denkende JüDglinge und Jungfrauen״ wandte, wie Schleiermacher nur ״an die Gebildeten unter den Verächtern der Religion״. Aber gerade in den Kreisen unserer Großstadt Jugend sind jene ״Gebildeten“, jene ״Denkenden“ oder doch denken Wollenden sehr zahlreich; wollte man ihnen gegenüber den Grundsatz vertreten, den schon Bachjas1) wahrlich nicht zur Kritik neigende Natur bekämpft, dass ״blinde Hinnahme des Ueberlieferten an Stelle des eigenen Nachdenkens treten solle“, so würde man nicht nur ihre äussere Gesetzestreue gefährden, sondern — selbst wenn deren Erhaltung etwa gelingen sollte — ihre innere Frönimigkeit. Denn es wäre ein schwerer Irrtum zu glauben, dass das mechanische Ueben religiöser Formen ohne weiteres religiös mache. Goethe sagt einmal von den Toren: ״Wenn sie den Stein der Weisen hätten, der Weise mangelte dem Stein“. Mit dem Stein der Frömmigkeit geht es nicht besser. Jene traurigen Karikaturen wahrer Frömmigkeit, von denen so oft in diesen Blättern die Rede war, jene Scheinfrommen mit ihrer lieblosen Anmassung, ihrer Unlauterkeit in Rede und Handlung, ihrer Skrupellosigkeit in Handel und Wandel, die sich womöglich als Führer im religiösen ״Parteileben״ aufspielen möchten, sie zeigen uns deutlich, wie sehr auch für das Judentum Lessings Satz gilt, dass der Stein des Glaubens seine Wunderkraft, vor Gott und Menschen angenehm zu machen, nur dann offenbart, *) Herzenspflichten S. 12 Stern: ״הקבלה תעמד כסקוש העיון