Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 515 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293003--04572-2297854- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der neueste Ansturm usw. 515 erwähnten Wellhausenianern setzt er voraus, dass die ältesten Quellenberichte über Israels Ursprung und Jugendzeit erst im 9. und 8. Jahrhundert geschrieben worden seien. Indem er diese neuerdings weithin herrschende Meinung kritiklos ohne ein einziges Wort eigener Untersuchung übernommen hat, hat er nicht einmal die Tatsache beachtet, dass in Israels Geschichtsbewusstsein aufs deutlichste eine vormosaische Periode unterschieden worden ist. Also auch er hat wieder nicht beachtet, dass Israels älteste Zeugen nicht etwa erst von Mose an die Entwicklung seiner nationalen und religiösen Existenz datiert haben. Obgleich dies äusserst nahe gelegen hätte, bloss bis auf Mose das geschichtliche Leben des Volkes zurückzuleiten, hat man dies doch nicht getan. Man hat eben gewusst, dass Moses Tage zwar die Jugendperiode Israels (Hos. 11, 1), aber nicht seine Geburtszeit bezeichneten. Ueber dem Mittagsglanze, in welchem die mosaische Epoche in der Erinnerung Israels strahlte, hat man nicht das Dämmerlicht des Morgens vergessen gehabt, mit welchem Israels Geschichtstag zu Abrahams Zeit aufleuchtete. Ebensowenig ferner, wie um diese Unterscheidung einer vormosaischen Zeit in den Geschichtsberichten Israels, hat Delitzsch sich um die Quellen gekümmert, die in ihnen selbst zitiert sind, ״das Buch der Kriege des Ewigen“ (4. Mos. 21,14) und ״das Buch des Rechtschaffenen“ (Jos. 10, 13 usw). Auch hat er nicht die Bestandteile des israelitischen Geschicktsberickts aufgesucht, in denen dieser den Fortschritt der Geschichte bezeugt hat, wie die Notizen von der Aenderung der Ortsnamen (1. Mos. 14, 2b usw.). Diese ״positiven Glaubwürdigkeitsspuren “ der althebräischen Geschichtsschreibung, die von mir seit Jahren immer vollständiger gesammelt worden sind1), zu beachten, hat er nicht für die Pflicht eines wissenschaftlichen Forschers gehalten. Wenn er aber demnach nicht den gegenwärtigen Stand der Erforschung des hebräischen Altertums beachtet hat, was I) Am vollständigsten in ״Die Genesis, eingeleitet, übersetzt und erklärt“ (1919), S. 84—86.