Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 510 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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510 Nachwort des Herausgebers. von der die jüdische Religionsgeschichte nur ein Zweig ist. Es wäre Torheit anzunehmen, dass die Richtung innerhalb des gesetzestreuen Judentums, die es als Recht und Pflicht ansieht, einen Ausgleich zwischen Thora und Wissenschaft zu finden, etwa die Forderung aufstelit, das Judentum müsse sein Daseinsrecht im Allgemeinen gegen jeden neuen Ansturm von Aussen verteidigen. Wir sind wissenschaftlich geschult genug, um zu erkennen, dass einem metaphysischen Problem wie תורה מן המסיס nicht mit den Mitteln landläufiger Apologetik beizukommen ist. Aber die Disziplin der Religionsgeschichte und vor allem die aus ihr erwachsene Bibelkritik hat eine solche Fülle von Einzelfragen gestellt, dass an ihnen völlig vorübergehen kann nur der Unaufrichtige oder der gefühlsmässig so Veranlagte, dass ihm Sinn und Verständnis für jede philologische und kritische Frage abgeht. Zumal es sich um Fragen handelt, die in der Neuzeit nur deutlicher herausgestellt wurden, in ihrem Kerne aber von unseren Alten erkannt und oft eingehend behandelt wurden. Die Unaufrichtigen, die im Bewusstsein, dass es sich um Schwierigkeiten handelt, mit Gewralt nicht nur ihre eigenen Augen schliessen sondern auch andere zwingen vroilen, das Gleiche zu tun ״um der Ehre der Thora wällen״ hat schon Hiob gegeisselt in der grossen Abrechnung mit seinen Freunden: הראל תדברו עולה ודו תדברו רמיה הפייו תשאון Wollet ihr für Gott Unrecht reden, für Ihn trügerisch reden?! Wollt ihr für Ihn Partei ergreifen?!“ die dann gipfelt in den Worten: בי לא ״ לפניו חנף יבאVor Ihn darf kein Schmeichler treten!“. Die anderen, die in ihrer Anlage völlig anders eingestellt sind, sind ehrenwrerte Männer, die sich auf eine grosse Literatur des Drasch von der schlichtesten Form bis zu seiner Steigerung in den kabbalistischen Schriften berufen können. Aber sie sollen den Männern ihr Recht lassen, die ihrer Natur gemäss im Gottesworte forschen und auf diesem Wege zu immer grösseren Klarheit und Wahrheit gelangen. Die Arbeiten Hoffmanns auf dem Gebiet der Pentateuchexegese, seine Pentateuchkommentare mögen manche nicht befriedigen, die entflammt und hingerissen werden wollen. Aber sie sind einem grossen Kreise, der nicht mechanisch sondern mit Verständnis der Pflicht genügt, allsabbathlich sich mit de r Sidrah zu beschäftigen, eine Quelle reichster Belehrung, ein fast nie versagender Ratgeber in den Schwierigkeiten, die Raschi, Ihn Esra, Raschbam, Ramban, Storno, Abarbanel und viele andere aufgedeckt. Gerade Hofiinanns Vertrautheit mit den modernen Forschungen setzt ihn in den Stand, Lösungen zu geben, die uns oft einleuchtender erscheinen als die der Alten. Wir sprechen nicht von der Anerkennung, die diese Arbeit in allen Kreisen der Geiehrtenw'elt, die wirklich unvoreingenommen urteilen, gefunden, obwohl es nicht gleichgültig ist, w׳cnn ein so bedeutender Orientalist, wie J03eph Halövy, der selbt in der Bekämpfung der modernen Bibelkritik sich unver-