Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Naehvrort des Herausgebers. &05 Nachwort des Herausgebers. Dem grossen Talmudweisen, dem Meister der jüdischen Wissenschaft sprechen wir unsern Dank aus, dass er uns seine Ausführungen, die gerade jetzt aktuell sind, zur Verfügung gestellt. Möge ihm, der jetzt sein siebenundsiebenzigstes Jahr vollendet, beschieden sein, in ungeschwächter Kraft noch manches Siebenjahr von den Früchten seiner Arbeit uns zu spenden. Einige ergänzende Bemerkungen seien hinzugefügt: Hoffmann hat in Anlehnung an S. R. Hirsch, unser Recht und unsere Pflicht verfochten, das Edelste der antiken Kultur mit dem Leben in der Thora und nach der Thora zu verknüpfen. Hirsch hat in seiner Betrachtung: ״der Hellenismus und das Judentum״ mehr die Forderungen des Gemüts, die aus dem Ideal des Humanismus, aus dem Sinn für die Harmonie des Lebens zu schöpfen sind, hervorgehoben, Hoffmann mehr auf die für alle Zeit grundlegende Arbeit der griechischen Denker Nachdruck gelegt, die der wissenschaftlichen Forschung den Weg geschaffen und für gewisse Fragen für alle Zeit den Weg gewiesen. Bei diesem letzteren Punkt wollen wrir etwas verweilen, da hier die Schwierigkeiten in dem Verhältnis von Thora und Wissenschaft sich häufen, wenn man aus dem Allgemeinen der Forderungen, über die kein Zweifel sein kann, in die Erörterung über die Einzelheiten tritt. Die griechische Philosophie ist vor allem Begriffswissenschaft. Sie glaubt das Wesen einer Sache erfasst zu haben, w^enn sie ihren Begriff feststellt und das Einzelne unter das Allgemeine eingeordnet hat. Es ,wird nicht versucht, die Bedingungen eines Dinges zu erkennen, sondern ihn unter einen bestimmten Begriff unterzuordnen. So kommt es, dass die Vielheit des Seienden vernachlässigt wird und alle Schwierigkeiten, die dem System aus dem Besonderen des Ein- *einen drohen, übersehen werden. Das gilt nun auch für die aristotelische Philosophie und, da diese für das spätere Altertum und das gesamte Mittelalter ״die Wissen- Schaft״ war, für alle wissenschaftlichen Erörterungen jener Zeit, aueh wo diese znr Grundlage religionsphilosophischer Untersuchungen genommen wurde. Es galt immer nur die Grundprobleme festzustelien und durchzudenken, inbezug auf verhältnismässig wenige Fragen Glauben und Wissen von einander abzugrenzen. So konnte, da dort, wo es sich nm allgemeine Gedanken handelt, die Schwierigkeiten sich verhältnismässig leicht lösen, ein leidliches Verhältnis zwischen Religion und Glauben, zwischen Thora und Wissenschaft hergestellt werden.