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Jeschurun · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November 1920) · p. Seite 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 501 (sequence 5)
Language
German
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Thora 12 1> פ Wissenschaft. 501 gesetzt und nachträglich noch zum Hohn durch Verdrehung der Gesetzesvorschriften sanktioniert. Noch schlimmer als der praktischen Gesetzesübung ,wurde der Lehre des Judentums mitgespielt. Es blieb nichts mehr heilig und unantastbar. Die überlieferte und geoffenbarte Lehre musste allerlei Annahmen, die man für unfehlbare Wissenschaft hielt, das Feld räumen. Von allen Glaubens-Grundsätzen wurde nur denjenigen die Existenzberechtigung zugestanden, welchen die der Irrung und Täuschung ausgesetzte Wissenschaft nicht widersprach. Eine beim Studium gefundene Hypothese genügte, um Gebete von fast 2000 jährigem Alter umzugestalten und der in ihnen enthaltenen Glaubenslehren zu berauben. So waren aus den Zelten Scherns Zelte Jepheths geworden, so ward Jepheth Herr und Gebieter in den Zelten Scherns, und Schern musste froh sein, noch in einem Winkel dieser Räume geduldet zu werden. Ist dieser Zustand berechtigt? Ist es wirklich erforderlich, dass sich die Lehre Scherns in ihrem eigenen Gebiete die Existenzbedingungen von den Jephethischen Ideen vorschreiben lasse? Die Antwort darauf gibt uns der letzte Satz der Weissagung des Patriarchen: ויהי כנען עבד למו, Kanaan sei ihnen Knecht. Hiermit wird den Brüdern Schern und Jepheth die Mission erteilt, Kanaan zu überwinden, ihm die Herrschaft zu entreissen und ihn sich selbst zum Diener umzuwandeln. Es wird daher demjenigen unter den Brüdern, der am meisten dazu beigetragen, diese Mission zu erfüllen, Kanaan zu demütigen und des Einflu3ses auf die Menschheit zu entäussern, der Vorrang vor dem andern eingeräumt werden müssen. Kanaan ist die personifizierte Rohheit, der rücksichtslose Egoismus und der krasseste Materialismus, der nur nach Besitz und Genuss strebt, und um sein Ziel zu erreichen, keine Familienbande achtet, kein Menschlichkeitsgefühl kennt und erbarmungslos über Leichenfelder hinwegschreitet. Nun hat zwar die hellenische Kultur, wo sie Eingang fand, die Rohheit beseitigt, die Menschheit veredelt, für das Schone und Gute empfänglich gemacht und das Verlangen nach Wissen-

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