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Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 490

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 490 (sequence 74)
Language
German
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490 Hildesheimer-Erinnerung. Hildesheimer-Erinnerung. Als einer der ältesten noch lebenden Schüler des sei. Rabbi Hildesheimer habe ich mit begreiflichem hohem Interesse das Gedenkheit des Jeschurun gelesen und fühlte mich lebhaft in die Zeit zurückversetzt, wo ich vor 55 Jahren das Glück genoss, zu den Füssen des grossen Meisters zu sitzen und Lehre von seinem Munde zu empfangen. In den Jahren 18G4 und 18G5 war ich an der Gemeindeschule in Eisenstadt und später als Hauslehrer beim Rebbe angestellt und habe besonders in den frühen Morgenstunden im Sommer und Winter vor dem Schachrisgebete gemeinschaftlich mit dem andern Hauslehrer, meinem sei. Freunde Zacharias Wolff, der zuletzt als Rabbiner in Bischheim segensreich gewirkt und leider zu früh in die Ewigkeit einging, einen Privatschiur des Rebbe genossen. Eine Stunde vorher schon hatte der Rebbe seine Privatkorrespondenz erledigt und dann trat er zu uns ins Zimmer, nach Kellnerart eine Serviette unter dem Arm, und mit den Worten: ״meine Herren, eine Tasse Kaffee gefällig?“ reichte er uns den schwarzen Kaffee, den er selbst vorher zubereitet hatte. In meinen freien Tagesstunden wurde ich gewürdigt, als Sekretär dem Rebbe zu dienen und seine der Publizistik gewidmeten Arbeiten nach seinen Entwürfen niederzuschreiben. So habe ich u. A. die Artikelserie mit der Ueberschrift ״Noch einmal über die Jesebiba-Angelegenheu“ in den Jahrgängen V und VI des ״Israelit“ teilweise nach dem Diktat ues Rebbe ausgearbeitet. Es würde zu weit fuhren und den Raum vorliegender Zeilen überschreiten, wenn ich alle Erinnerungen an meinen Aufenthalt■ in Eisenstadt und die glücklichsten zwei Jahre meines Lebens, die ich in der LTiogebung des Rebbe verbringen durfte, hier näher schildern wollte; Erinnerungen, die noch einmal auf gefrischt wurden, als ich das Glück genoss, im Jahre 18׳ H; der erhebenden Feier des 70. Geburtstages meines sei. Lehrers beiwohnen zu dürfen. Nur zwei Momente möchte ich im Bezug auf sein Leben und Wirken und deren Darstellung im letzten Gedenkheit hier zur Ergänzung noch hervorheben. Zu S. 278. Bezüglich der Vorlesungen des Hamburger Chaeham, die Hildesheimer regelmässig besuchte, genoss dieser eine Ausnahmestellung. Ich erinnere mich, von glaubwürdiger Seite gehört zu haben, dass R. Jakob Ettlinger iin allgemeinen seinen Jeschibajüugern nur ungern die Teilnahme an Bernays’ Vorlesungen gestattete, weil er befürchtete, dass diese noch nicht den abgeklärten Geist besassen, um religiös-philosophische Verträge hören zu können, ohne dass bei ihnen ein leicht erklärbarer Konflikt zwischen ״Thora und Philosophie“ entstände. Nur bei Plildesheimer konnte infolge seines gefestigten Charakters eine solche Befürchtung nicht Platz greifen, weshalb ihm Ettlinger den Besuch dieser Vorlesungen ohne jegliches Bedenken erlaubte.

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