Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 488 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Licht und Schatten. wird kein (gutes) Ende haben; das Licht der Frevler wird erlöschen“ und namentlich auf die talmudische Erzählung Y0m letzten Hohenpriester, der beim Betreten des Allerheiligsten wahrnahm, dass das ewige Licht erlosch, was er auf den bevorstehenden Untergang des Heiligtums deutete. Die Furcht vor dem Erlöschen des Lichtes am Versöhnungstage scheint im Volke Israel stark verbreitet gewesen zu sein. Bedenkt man, dass überall der םנד,ג verbreitet war, dass jedermann, ״ob gross oder klein* (vergl. Orach Chajim 810, § 4), mindestens eine Kerze spendete, und zieht man in Betracht, dass jeder geneigt ist, gerade an diesem heiligen Tage jede Handlung zu symbolisieren und in jedem Vorkommnis ein Omen zu erblicken, dann wird man es auch erklärlich finden, dass man sich vor dem Versöhnungstage gegenseitig wünschte; , Dein Licht möge brennen (und nicht erlöschen)“, was schon als gute Vorbedeutung galt. In Süddeutschland wünscht man sich noch jetzt vor dem Sederabend ״gut zu bauen“, obgleich vom .,guten Bauen“ nicht soviel abhängt wie von dem Brennen des Lichtes am Versöhnungstage. Man wünschte einander, dass ,,sein Licht brennen (leuchten) möge“, unmittelbar vor dem Versöhnungstage, wie man sich heutzutage gegenseitig wünscht, gut zu fasten; man wünschte es sich vielleicht schon im Monat EUul, wie man heutzutage mit dem Wunsche כוח״ט schon im EUul beginnt, und so bürgerte sich dieser Wunsch im ganzen Jahre ein. Die Furcht vor dem Erlöschen des Lichtes hat im Laufe der Zeit abgenomraen (vergl. Chaje Odom a. a. O.), der Wunsch ist aber geblieben, der Wunsch נ״י, dass das Licht leuchte (brenne) und nicht erlösche. * Vom Licht zum Schatten. Der Schatten der Nacht spielt im Judentum nicht die Rolle wie in deutscher Sage und Dichtung. In der Halachah ist nur zweimal vom Schatten der Rede: קידוש לבנה soll stattfinden zu einer Zeit, wo die Schatten (infolge des Mondscheines) sichtbar sind, und von der Hoschano-Rabhoh- Nacht heisst es, wer seinen Schatten in dieser Nacht nicht sieht, für den bedeutet es ein schlechtes Zeichen. (Vergl. Orach Chajim