Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 487 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Licht und Schatten. 487 Doch woher stammt der Wunsch נרו יאיר? Der Wunsch, dass der, an den das Schreiben gerichtet ist. leben, ״recht lange und glücklich“ leben möge, scheint im Judentum sehr alt zu sein. Haben doch die Alten es nie unterlassen, bei Nennung eines geliebten Namens (Eltern, Kinder) den Wunsch hinzuzufügen, dass er (noch lange) leben möge. Die Chassidim sprechen noch heute nicht anders von ihrem Rabbiner als vom Rabbi-leben, dies ist sogar die offizielle und übliche Anrede des Wnnderrabbi. Woher stammt aber der Wunsch, das3 das Licht (weiter) leuchten möge? Dieser Wunsch mag sich auf das leuchtende Licht vom Jomkippurlicht beziehen, das ist das Licht, welches (früher und teilweise auch jetzt noch in den meisten Gemeinden) jeder am Rüsttage des Versöhnungstages ins Gotteshaus brachte und dort den ganzen heiligen Tag brannte. Dieser Brauch wird im Schulchan Aruch (vergl. Orach Chajirn, Abschnitt 610, § 4) als uralt bezeichnet. Erlischt aber dieses Licht plötzlich am Versöhnnngstage, dann gilt es als böses Omen für den Spender desselben. Asulai berichtet, dass am Abend des Versöhnungstages die Wachskerzen des Rabbi Jechiel (des Vaters des רא״־ש) in der Synagoge plötzlich erloschen. R. Jechiel erschrak darüber heftig und starb bald darauf (in den Halb feiertagen des Laubhüttenfestes). Auch Schulchan Aruch (a. a. 0.) scheint im Erlöschen des Lichtes am Versöhnungstage ein ungünstiges Omen zu erblicken. Denn es heisst daselbst: Wenn das Licht am Versöhnungstage erlischt, soll man es am Ausgange des heiligen Tages wieder anzünden und es vollständig ausbrennen lassen (nicht auslöschen). Auch der Chaje Odoni erwähnt die Befürchtung, die sich an das Erlöschen des Jomkippurlichtes knüpft, wenn gleich er sie als gänzlich unbegründet bezeichnet. Er rät daher, das Licht dem Synagogendiener zu übergeben, um auf diese Weise nicht zu erfahren, wo sein Licht brenne, und ob es brenne (vergl. Abschnitt 144, § 17). Die Furcht vor dem Erlöschen des Lichtes ist abgesehen von der Symbolisierung des Lebenslichtes durch jene (נר אלקים נשמת אדם) auf Sprüche Kap. 24, 20 zurückzuführen, wo es heisst: ״Der Frevler