Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 484

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 484 (sequence 68)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293002--04515-2297797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

484 Tohuwabohu. Zwei seien hervorgehoben, weil sie in der Tat einen Krebsschaden aufdecken, auf den man immer in unseren Reihen hinzuweisen sich scheut. Aber das Zudecken hilft nichts. Es gibt eben immer Leute, die die Blosse zeigen. Es wäre besser, wenn aus unseren Reihen immer und immer wieder hingewiesen würde, damit wir wenigstens kundgeben, dass nicht unser die Schuld. Das eine ist: die Art des Betons. Ja! ja! so geht es bei uns zu, wie G. das S. 274—276 schildert. ״Im Laufe der Zeit macht Uebung und Gewohnheit diese Bewegungen mechanisch; die Hand fährt zur Brust, der Nacken krümmt sich automatisch, ebenso wie die Worte von den Lippen gesprochen werden, ohne dass irgend eine Tätigkeit des Gehirns mitwirkt. Das Gebet wird in der Mehrzahl der Fälle vollkommen unbewusst heruntergesprochen, sodass es dem Betenden oft erst durch die automatische Rückwärtsbewegung seiner Füsse zum Bewusstsein gebracht wird, dass sein Pensum erledigt ist. Nichts hindert ihn, während der Zeit des Betens seinen Gedanken nachzuhängen; das Gebet ist eine rein körperliche Funktion ohne Mitwirkung eines geistigen Faktors“. Es ist so. Und selbst wrenn es überall nicht so wäre; dass es dem Zuschauer so erscheint, ist genug der Schande. Und wir können hinzufügen, dass es nicht nur in einem improvisierten Minjan so aussieht, sondern auch in den Synagogen, ja dass die Synagogen, was an Andacht und Inbrunst noch in einem Ostjuden oder von Ostjuden Abstammenden lebt, ersticken durch die Kälte, die sie durchströmfc und die auch die heissesten Empfindungen zum Gefrieren bringt. Und das Zweite: der Mangel an sexueller Unschuld selbst in den Kreisen, die sich als besondere Retter des Judentums aufspielen. Jene grossmäuligen Herren, die eine lustige Jugend hinter sich haben und später sich als Vorkämpfer vordrängen. Man möchte sie ja gern als בעלי תשובה begrüssen, wenn sie nicht ein so schlechtes Gedächtnis für ihre Vergangenheit hätten und ihre Orthodoxie in der Verfolgung anderer betätigten. Jener junge Germersheim bei Gr. S. 140—153 der einen Schiur lernt, aber meist die Zeit benutzt, um mit der Amanda und Ilonka zu tanzen, der in den Nachtlokalen, in denen er verkehrt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.