Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 483 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Tohuwabohu. 483 wegen der Kollision, in die sie hier mit ihren Pflichten geraten, als störend empfunden. Als Störungen werden sie nur empfunden von denen, die die Heiligkeit der Feste nicht völlig über den Alltag hinaushebt. Und nur nebenbei sei bemerkt, dass solange unser Moschiach nicht erschienen und das Antlitz der Erde und die Lebensverhältnisse sich nicht völlig geändert, die Befolgung des Religionsgesetzes im heiligen Lande noch viel stärkere ״Störungen״ hervorrufen wird. Der Verkauf des Chomez sollte in der Tat nicht so schematisch vorgenommen und bei kleinen Werten vermieden werden, denn es nimmt in den Augen des Amhaarez den Charakter der הערמה an. Aber weiss G. nicht, dass das im Osten eine noch grössere Rolle spielt, ja zu einer der Nebenerwerbsquellen des Rabbiners geworden ist? Nicht so gleichgültig ist es, dass G. auch die Institution des Erub mit einem,wenn auch leisen Spott nicht verschont. Auch A. Bernstein in seiner Novelle ״Vögele der Maggid“ hat sich das nicht versagt. Aber vras hat dieser Begründer der Berliner Reformgemeinde uns für ein Aequivalent gegeben in der Schilderung der Heiligkeit des Freitagabends, eine Schilderung, die bisher noch von keinem übertrorien worden ist. Auch Gr.s Polemik gegen die Forderung des Glaubens in der Religion schiesst weit über das Ziel hinaus. Dies kann zu weit getrieben werden und gegen jedes selbständige Denken sich auflehnen. Aber wie stellt G. sich auch nur den leisesten Zusammenhang mit der Religion vor ohne jeden Glauben, etwa nur den Gottesglauben? Endlich die Uebertreibung und Verallgemeinerung, die wir schon einmal gerügt, und die den Unkundigen verleitet, Ausnahmen als Typen zu nehmen. Sehr merkwürdig ist es auch, dass wir gar nichts von der religiösen Entwickelung von Jossel und Chane hören. Wenn sie Typen sein sollen, so müssen sie nach allen Erfahrungen in dieser Beziehung eine radikale Wandlung nach dem Nihilismus hin durchmachen. Aber das berührt den Vf. nicht, für den alles, alles unter die Schwelle des Bewusstseins sinkt, wenn es sein Ideal, den Zionismus gilt. Doch das darf uns nicht abhalten auf die Vorwürfe einzugehen, die er dem gesetzestreuen Judentum macht.