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Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 477

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 477 (sequence 61)
Language
German
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Tohuwabohu. 477 freiherrlichen Hause von Stülp-Sandersleben und Heinz und Else die Enkel von Chajim Schlenker), und Heinz empfindet mit starker Bitterkeit die ganze Schmach des Sichhineindrängens in andere Kreise, nimmt verschiedentlich einen Anlauf zur Seihstbesinnung, wird durch die Teilnahme an einer zionistischen Versammlung sich so recht des Problematischen in seinem Leben bewusst und nimmt die Gelegenheit wahr, in der Heimat seines Grossonkels in Borytschew das Judentum, von dem er nie einen Hauch verspürt, an der Quelle zu ergründen. Aber wie Else eine Ehe eingeht, in der sie den Mangel der Gattentreue — völlig unjüdisch — toleriert, so können auch Heinz alle ergreifenden Eindrücke des Sederabends, den er unter den sich selbst getreuen und in ihrer Wesensart in sich geschlossenen Menschen mitfeiert, der Pogrom, den er dort erlebt und dem seine Verwandte Riwka Schlenker, zu der er eine stille Neigung gefasst, zum Opfer fällt, so vermag das alles den durch die Erziehung und völlige Loslösung vom Judentum zum Schwächling gewordenen nicht zu wandeln. In demselben Zuge, der Jossel Schlenker zur ״grossen Woche“ nach Basel führt, und in dem die jüdischen Volksgesänge erschallen, fährt er, noch voll von der Tragödie, die er in Borytschew erlebt, zur ״grossen Woche“, den Rennen von Baden-Baden. In diesen Hauptstrang der Handlung sind nun mannigfach Fäden verflochten, die uns auf allerlei Wegen in Pastorenhäuser, Studentenbuden, Gouvernementsgebäude, Redaktionsräume, Gerichtssäle, Synagogen, Lebrzimmer führen. Da ist dann Gelegenbeit all die Gestalten vorzuführen, die dem Vf. zu Zielscheibe seines Spottes aber letzten Endes immer als Mittel dienen, um die Brüchigkeit des westeuropäischen Judentums aufzuzeigen und als einzige RettuDg die Betonung des Volkstums zu empfehlen. Es ist hier ein Reichtum von Geist und Witz, der die einzelnen Kapitel zu satirischen Skizzen von grossem Reiz gestaltet. ״Goethe in Borytschew“ malt in köstlicher Weise, wie Jossel Goethe’s Faust ״lernt“, wie er in talmudischer Dialektik dem Pastor Bode das rechte Verständnis für Goethes Dichtung beizubringen sucht, dem Pastor, der den jungen Ostjuden — allerdings zum Zwecke

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