Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 478

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 478 (sequence 62)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293002--04509-2297791
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

478 Tohuwabohu. des späteren Seelenfanges — doch erst in die Elemente der deutschen Literatur hat einführen wollen. ״Ein literarisches Unternehmen“, das ist die Bettelbrieffabrik, die der Jossel nach Berlin vorausgegangene Wolf Klatzke dort errichtet, und deren Berechtigung Berl Weinstein, der übrigens die Mitgift einer jeden Tochter sich immer dadurch verschafft, dass er sich von Zeit zu Zeit im Ausland taufen lässt, als eine ethische Institution verteidigt, nach Gronemann ein Symbol für die Auffassung vom Judentum, wie sie in nichtzionistischen Kreisen die herrschende ist, dass die Juden in solche zerfallen, die Schnorrer sind und in solche, die die Schnorrer für ihren Wohltätigkeitsdrang brauchen. ,,Eine fromme Stiftung“, die der alte Chajim Schlenker für einen frommen Kandidaten der Theologie bestimmt hat, und die der Schwiegersohn, der obenerwähnte Lehnsen alias Levysohn einem christlichen Theologen zuvrenden will, gibt Anlass zu Auseinandersetzungen zwischen den Kuratoren: dem Täufling, einem liberalen Rabbiner und einem orthodoxen Dozenten. Nach der Meinung des Vf.’s machen sich offenbar alle drei Vertreter der verschiedenen religiösen Anschauungen lächerlich. ״Seelsorge“ setzt dies Thema fort. Die Hohlheit der Betätigung des modernen liberalen Rabbiners wird aufgezeigt. Besser kommt der orthodoxe fort, doch in Wirklichkeit ist auch dieser dem Vf. nur ״der Kauscherwächter“. Aus der Ueberzeugung freilich, dass im Exil der eigentliche Sinn des Religionsgesetzes nicht zur Geltung ge־ langen kann. Darauf kommen wir weiter unten noch ausführlicher zurück. Kabinettsstücke sind die Kapitel ״Paradiesäpfel“, ״Ostergeläute“ und ״Posaunentöne“, in denen alle Formen des Antisemitismus: des vornehmen Richters, des deutschen Oberlehrers, des russischen Gouverneurs, der Revolverpresse behandelt werden. Auch hier sucht der Vf. in der Betonung des jüdischen Volkstums das einzige Heil. Ja, es scheint oft, als ob er sich die meisten Argumente der Antisemiten zu eigen macht. Die westeuropäischen Juden, wie sie sind, verdienen es nicht anders. ״Der Minjanmann“, ״Die Erstgeborenen“, »Abwehr“, ״Pogrom“ und ״die grosse Woche“ geben Gelegenheit, die Antithese zwischen dem wurzelechten Judentum des Ostens und dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.