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Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 472 (sequence 56)
Language
German
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472 Ueber den Begriff der Ehe im Judentum uaw. hier die Behauptung gewagt wird: ״So sind sie nun nicht Zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden,“ — so ist dieselbe ganz dazu angetan, alle logischen Begriffe auf den Kopf zu stellen. Wir sind gewohnt, in dem Eingehen eines Ehebundes einen Vorgang zu erblicken, der sich uns als die direkte Folge der freien Willensentscheidung zYveier Menschen darstellt. Hier wird dieser Vorgang der Willenssphäre des Menschen einfach entrückt und als direkter Ausfluss göttlichen Machtgebotes hingestellt, was. letzten Endes also auf eine fatalistische Anschauungsweise hinausläuft. Es ist auch nicht recht einzusehen, inwiefern ein Ehebruch — diese Tatsache einmal zugegeben — dazu geeignet erscheinen soll, den Willensentscheid Gottes aufzuheben. Ist Ehebruch verwerflich, so mag er seine entsprechende Strafe finden. Eie Sünde als eine besondere Art der Aeusserung menschlieh er Willensentscheidung kann doch nicht anders bewertet werden als die menschliche Willensentscheidung im allgemeinen! Es braucht nicht erst besonders betont zu werden, dass jener Gedanke hier ganz zu Unrecht die Autorität der Lehre Mosis für sich in Anspruch nimmt. Schon aus diesem Grunde fordert die hier in Betracht kommende Stelle eine eingehende Beleuchtung, noch mehr jedoch aus dem anderen, um den gegen Moses ins Treffen geführten Vorwurf der Fälschung ins rechte Licht zu rücken. Um die Schöpfung des Weibes zu motivieren, beginnt die .תורד mit dem Satze: לא טוב זדות האדם לבדו אעשה לו עזר כנגדו. Der erste Teil dieses Satzes knüpft offenbar an die dem entgegenstehenden Aussagen I, 4. 12, 19, 21, 25 und 31 an. In diesem Zusammenhänge kann er nur auf den einen Sinn hinauslaufen: in der gesamten Schöpfung, die des Momentes der sittlichen Freiheit ermangelt, vollzieht sich auf zwangsläufige Weise der Wille Gottes und darf daher mit dem Prädikate *gut“ gekennzeichnet werden. Der Mensch indes ist durch die Gabe des göttlichen Odems, seinem Schöpfer gleich, des Momentes der sittlichen Freiheit teilhaft geworden, das, in Widerstreit mit den andern ihm zuteil gewordenen Kräften gesetzt, in sein Tun ein Moment des Schwankens und der Unge-

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