Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 466 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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466 Ueber den Begriff der Ehe im Judentnm usw. die auf eine völlige Verfinsterung des geistig-sittlichen Momentes in der Person dessen, der sich dazu hinreissen liess, schliessen lassen. Solche Merkmale stechen direkt in die Augen, und bedürfen zu ihrer Wahrnehmung nicht erst der Entlehnung des allsehenden Auges der Vorsehung! Die ,תורד will durch die bedeutsame Wahl des Ausdruckes לא יובל בעלה ונו׳ mit allem Nachdruck die Tatsache heraussteilen, dass, von reinem Rechts- Standpunkte gesehen, die Wiederverheiratung nach erfolgter Lösung der Zwischenehe einwandsfrei erscheinen mag, zumal die Scheidung endgiltige Lösung der Ehe im Judentume bedeutet. Der die Wiederverheiratung erstrebende Mann wird jedenfalls keinen Augenblick zu bedauern anstehen, dass sein augenblicklicher Entschluss tatsächlich der Eingebung des Augenblickes nur und ausschliesslich seine Entstehung verdanke und ausser jedem Zusammenhänge mit dem damaligen Entschlüsse zur Scheidung stehe. In dem Ausdrucke ,לא יונל בעלה הראשון ונו kennzeichnet die תורה eine derartige Behauptung auch selbst dann noch, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen aufgestellt wird, und selbst dann noch, wenn die Zwischenehe durch den Tod des Ehemannes ihre Lösung gefunden hat, als eine Anmassung, ־welche die zulässigen Grenzen weit überschreitet, zu der demnach die Befugnis fehlt. Damit ist uns zugleich eine der tiefsten psychologischen Wahrheiten offenbart worden, die besagen will, dass, so sehr auch menschliche Entschlüsse als Aeusserungen augenblicklicher Eingebung sich darstellen mögen, sie trotz alledem dennoch zwangsläufige Aeusserungen eines fast unbewussten Kausalnexus bilden. Das gesamte Willensleben steht sonach unter dem Gesetze einer einheitlichen, geschlossenen Oekonomie! Selbst dort, wo dieser Zusammenhang der meDschliehen Wahrnehmung nicht erkennbar ist, ist dessen Wirksamkeit damit noch nicht ausser Frage gestellt. Wollte einer in Verkennung dieser Tatsache nach erfolgter Zwischenehe die Wiederverheiratung eingehen, so könnte erstere vor dem entschleierten Auge der Vorsehung sich als verschleierter Ehebruch und letztere womöglich noch als Begünstigung durch den Ehemann sich darstellen! Der Satz אחרי אשד הטמאה ist demnach im Sinne