Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 465 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. 465 nichtig angesehen, die Ehe demnach nach wie vor als zu Recht bestehend erscheint, die Wiederverheiratung der Frau auf Grund der erfolgten Ehescheidung demnach einen Ehebruch bildet. Hat jedoch ein Ehebruch auf Seiten der Frau stattgefunden, dann ist die Ehescheidung zulässig (7rapsxtüc X070Ü 7ropvs»as). Ist demnach eine Frau auf Grund der erfolgten Ehescheidung eine neue Ehe eingegangen, so hat sie in diesem Momente die Ehe gebrochen. Der eben erfolgte Ehebruch macht aber wiederum die sonst verbotene Ehescheidung statthaft und legalisiert damit die soeben eingegangene zweite Ehe. Welch ein ethischer Wert kann einer Ehe innewohnen, die durch einen Ehebruch legalisiert wird? Welch ein ethischer Wert kann aber überhaupt dem Begriffe der Ehe zuerkannt werden, in dessen Rahmen so etwas als möglich erscheint? Endlich welcher logische Wert kann einer Bestimmung wie: ״wTer eine Abgeschiedene freit, der bricht die Ehe״, zukommen, da dieselbe durch die unmittelbar vorangehende Ausnahme, wonach bei erfolgtem Ehebrüche die Scheidung als zulässig erscheint, direkt als aufgehoben gilt und daher niemals in Wirksamkeit treten kann?! Der scharfe Gegensatz der jüdischen Anschauung kann nicht besser zur Darstellung kommen als durch die Erörterung der schwierigen und dennoch nach der hier vorgetragenen Grundlegung so sehr durchsichtigen Stelle דברים כ״־ד פ׳■ ד׳. Dort heisst es: .לא יוכל בעלה הראשון אשר שלחה לשוב לקחתה להיות לו לאשר אחרי אשר המשאד. כי תועבה היא לפני ד׳. Wir hätten hier das Verbot in der strikten Form: לא ישוב בעלה הראשון אשר שלחה לקחתה. erwartet. Auch der Passus אחרי אשד הטמאה ist unerklärlich. Die Zwischenehe erscheint hier im Lichte eines Ehebruches gewissermassen (vgl. במרבר ה׳ פט״ י״ג), während Scheidung nach jüdischer Auffassung endgültiger Lösung des Ehebundes bedeutet. Endlich was will denn das Prädikat לפני ד׳ in dem Kausalsatze כי תועבה היא besagen? Wo immer eine Handlung als תועבה gebrandmarkt wirkt, nirgends wird sie durch ein solches Prädikat näher gekennzeichnet, wie beispielsw. ויקרא י״ח פ׳ כי׳ב; כ״ז; ב״ט; כ׳ פז י״ג — Stellen offenbar analogen lühaltes. In allen diesen Fällen bezeichnet תועבה eine der schwersten sittlichen Ausschreitungen, 4