Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 464 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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464 Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. an sich niemals! Wer so etwas behauptet, der kann doch bei der Behandlung ethischer Probleme schwerlich ernst genommen werden! Offenbar war es die Erkenntnis dieser fatalen Sachlage, welche im Markusevangelium dazu geführt hat, der Sentenz eine andere Wendung zu geben. Dort hat sie nämlich folgenden Wortlaut: ״Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seinem Weibe und freiet eine andere, der bricht die Ehe an ihr, und so sich ein Weib scheidet von ihrem Manne und freiet einen anderen, die bricht die Ehe.״ (Markus X, 11. 12). Nun aber ist die Sache vollends verfahren. Da haben wir zunächst die Tatsache, dass die Frau den Mann scheidet — ein Vorgang, der nach der mosaischen Lehre :vollkommen absurd erscheint. Statt der Worte in Matthäus 7:0161 a0-7;v aotyaabat haben wir hier zuvor das Einschiebsel xai ו!ן»׳ך^ alXr^ .,und freiet eine andere״ und dann die Konklusion uotyaTai 87: aur/)v ״bricht die Ehe an ihr.״ Nun aber frage ich: Wie soll das zugehen? Liegt der Ehebruch in der erfolgten Scheidung an sich, so stehen wir vor derselben Ungereimtheit wie bei Matthäus. Liegt das Moment des Ehebruchs in der Verheiratung mit einer anderen, so müsste ein solcher Akt auch ohne erfolgte Scheidung ebenso gewertet werden. Die Bezugnahme auf die erfolgte Scheidung von einer andern hätte danach gar keinen Sinn. Es wäre damit im Grunde das Verbot der Polygamie auf eine unverständliche Weise nicht nur ausgesprochen, sondern dieselbe darüber hinaus noch gleichzeitig als Ehebruch gebrandmarkt. Eine Auffassung, die aber im Neuen Testamente nirgends hervortritt, in welchem vielmehr die Polygamie als statthaft erscheint, ausgenommen bei einem Bischof. (1. Tomatheus III, 1. Titus 1, 6 und vergl. die analoge Bestimmung in Bezug auf den jüd. Hohenpriester Maimonid. hilch. Kle mikdasch V, 10.) Davon abgesehen, verwickelt sich die im Neuen Testamente auftretende Auffassung von der Ehescheidung in noch verzweifeltere Ungereimtheiten. Offenbar läuft die Sentenz in Matth. V, 32 darauf hinaus, dass die Ehescheidung, auch nachdem sie erfolgt ist, als Null und