Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 463 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. 463 summe mehr am Herzen liegt als deren Unverletzlichkeit, hat in seinem Verhalten gezeigt, dass ihm die Ehe nicht jenes durch־ aus ethische Institut ist, das die תורה bei ihrer Stiftung im Auge hatte. Ist sie wiederum nur eine Gemeinschaft, die der Geschlechtstrieb zusammen bindet, so kann es nur gleichgiltig erscheinen, an welcher Person dieser seine Befriedigung findet. — Wenden wir uns nunmehr der Behandlung zu, die unserm Thema im Neuen Testamente widerfährt. Es darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden, dass das Urteil auch hier, wie in allen derartigen Fällen, höchst abfällig ist, um schliesslich darauf hinauszulaufen, an die Stelle der ethischen Unzulänglichkeit und Rückständigkeit die ״bessere Gerechtigkeit״ des Neuen Testamentes zu setzen. Unser Thema aber bildet an verschiedenen Stellen Gegenstand der Anfechtung. Es wird wie eine Art Steckenpferd vor aller Oeffentlichkeit als Paradestück vorgeführt einesteils, um die vermeintlichen sittlichen Mängel der תורה blosszustellen, andernteils, um auf diesem dunklen Hintergründe die .,bessere Gerechtigkeit“ des Neuen Testamentes in desto hellerem Glanze erstrahlen zu lassen. Zum ersten Male wird diese Frage in der Bergpredigt Matth. V, 31—32 angeschnitten. Dort heisst es: ״Es ist euch gesagt: wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief Ich aber sage auch: Wer sich von seinem Weibe scheidet es sei denn um Ehebruch (irapsxxo? Xoyoo 7uopv8tac), der macht, dass sie die Ehe bricht, und wer eine Abgeschiedene freiet, der bricht die Ehe.“ Hatten wir bei Erörterung unseres Themas in der תורה Gelegenheit, die erstaunliche Präzision in der Aufstellung der Probleme und ihrer Lösung zu bewundern, so wird sich aus der Darstellung, die diesem Thema im Neuen Testamente zuteil wird, ein Staunen ergeben, das sich aber aus den genau entgegengesetzten Motiven herleitet. Was soll man zu einem Satze sagen, in dem es heisst: ,,Wer sich von seinem Weibe scheidet, der macht, dass sie die Ehe bricht“ (7:0fei abx^v p.ot^aa&at)? — Die Ehescheidung mag unzulässig, verboten und was immer sein, ein Ehebruch als solcher liegt doch in der Tatsache der Scheidung