Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 457 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293002--04488-2297770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Talmudisch-midraschische Glossen zu Josephus. 457 wird — wie man ans Sifre § 259 ersieht — auf unseren Fall bezogen. Der Herr, dem man den Sklaven nicht ausliefern darf, kann der ausländische Eigentümer1), aber auch der grausame Herrscher Herodes sein. Das3 die Gesetzeslehrer gegen Herodes wegen der Missachtung der Thorahgesetze eiferten, erfährt man aus Ant. XVII 6. 2f.; so dürfen wir auch in dem obigen Halaehahsatz eine gegen seine ungesetzliche Tat gerichtete Be- Stimmung erblicken. Dieses Beispiel zeigt zugleich, dass die Zeit der Entstehung einer Halachah nicht nach dem Tradenten zu bestimmen ist. Ueber unsere Halachah, die in der Mischnah anonym erscheint, berichten in Thosseftha, b. und j. Talmud erst spätere Tannaiten, und doch haben wir erkannt, dass sie bedeutend älteren Ursprungs ist. II. A n t i q u. IX 10, 4. Zu der Erzählung in II Chronik 26. 16 bis 20 über das ungesetzliche Räuchern des Königs Uzzijah im Heiligtum fügt Josephus folgendes hinzu: *Da erbebte die Erde, der Tempel spaltete sich, und es brach aus ihm ein glänzendes Sonnenlicht hervor, das auf des Königs Antlitz fiel; und sogleich ergriff ihn der Aussatz. Vor der Stadt aber öffnete sich an dem Orte, der Eroge genannt ־wird, der Berg, und die Hälfte desselben, die gegen Westen lag, 1wälzte sich vier Stadien weit gegen den östlichen Teil des Berges, sodass die Wege und die Gärten des Königs verschüttet wurden.״ Wir haben es hier mit einer alten Aggadah zu tun, deren einzelne Elemente zum Teil noch in der Aggadahliteratur nachgewiesen 1werden können. Zunächst sei daran erinnert, dass das Erdbeben unter Uzzijah auch bei den Propheten Arnos 1, 1 und Zecbarjah 14, 5 erwähnt wird, und die Erinnerung daran lebte sicherlich auch in späteren Jahrhunderten fort und gab dem Volke Veranlassung, die biblische Erzählung und — wie wir bald sehen werden — auch die Worte des Propheten — durch aggadische Dichtung zu erweitern. Vgl. Komm. R. Hilleis bei Friedmann (121a).