Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 455 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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m Schlimme Legendengebilde über R. Meir. 455 im Sinne hätten, als ihn mit ihren Einwänden zu ärgern. (Kidduschin 51b). Im Lehrhause durfte R. Meirs Name nicht genannt werden. Erst auf Vorstellung seines Sohnes, der klagte: ״Der, von dessen labendem Wasser wir leben, dessen Namen sollen wir nicht erwähnen dürfen?״ gestattete R. Jehudah nach einigem Widerspruch, dass man einen Lehrsatz von ihm in der einleitenden Ferm משום ר״מ erwähnen dürfe, dass es erscheine, als hätte es irgend jemand in seinem Namen gesagt, 80 dass er gleichsam erst durch eine Zwischenperson ins Lehrhaus eingeführt wurde. (Horijoth 13 b f.). Aber bald war auch die letzte Spur der AbneigungR. Jehudahs gegen R. Meir in seinem Herzen getilgt. Elr setzte ihm ein Ehrendenkmal in der Mischnah und zwar durch öftere Verschweigung seines Namens. WTar dieses bisher der Ausdruck der Abneigung, so wird es hier das Zeichen der• Verehrung und Anerkennung, wird ja gerade dadurch seine Meinung für die praktische Aus- Übung gesetzlicher Bestimmungen aus der Enge der Einzelmeinung in die Breite allgemeinster Zustimmung gerückt: סתם מתני׳ ר, מאד. Aber auch das Geschlecht nach R. Jehudah bereitete R. Meir eine besondere Ehrung. Der letzte Abschnitt in Mischna Sotah, der nach R. Jehudah redigiert ist, da er als Verstorbener dort erwähnt wird, zählt die idealen Güter auf, die mit dem Tode grosser Männer verloren gegangen sind. Merkwürdigerweise wird ein rückwärtsgehender Gang vorgenommen, worauf schon Lipschütz in תפארת ישראל aufmerksam macht, ohne einen Grund dafür anzugeben. Die Mischnah beginnt nämlich mit R. Meir und dann zurück bis auf den Hohenpriester R. Ismael ben Phabo. Es darf wobl als richtig angesehen werden, wenn die Herausgeber der neuen kritischen Bearbeitung der Mischnah1) darin eine Ehrung R. Meirs erkennen wollen, dass man mit ihm den Reigen der grossen Männer eröffnet hat, mit deren Hingang viel Herrliches verloren gegangen ist. Es dürfte dann auch wohl R. Simon, der Sohn des R. J., der Redactor dieses Abschnitts sein. l) H. Balir u. L. Rosenthal, der Mischnatraktat Sotah, Einleitung Berlin, 1918.