Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 452 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Schlimme Legendengebilde über R. Meir. ausgegangen waren. Als der Mann die Ursache der Verspätung seiner Frau erfahren, sperrte er sie aus dem Hause aus und schwur, dass er sie nicht eher wieder hereinlassen werde, als bis sie dem R. Meir ins Gesicht gespieen hätte. R. Meir hatte von diesem Vorgänge auf höhere Eingebung erfahren; er gab vor, er habe ein Augenleiden und würde sehr dankbar sein, wenn es jemand durch Besprechen zu heilen versuchte. Nun ermunterte die Nachbarin jener unglücklichen Frau diese, die Gelegenheit, wieder in ihr Haus eingelassen zu werden, zu benutzen, indem sie sich als des Besprechens kundig ausgebe; sie würde alsdann an R. Meir herankommen und beim Besprechen auf das kranke Auge speien können, welche Manipulation ja als unerlässlich zum Besprechen gehöre. Als die Frau sich schüchtern R. Meir auf dessen Nachfrage vor seinem Vortrag nach einer Besprecherin genähert hatte, hatte sie doch nicht den Mut, die Frage, ob sie das Besprechen verstehe, zu bejahen; doch er munterte sie auf, vor allem das Auge zu bespeien, um so die Vorarbeit für das Besprechen zu verrichten; als sie so getan, sagte er: ״So, nun geh nach Hause und sage deinem Manne: Du hast mir anbefohlen, ich solle R. Meir einmal ins Gesicht spucken, ich habe es mehrere Male getan!“ Diese Erzählung, die R. Meir als Friedensstifter verherrlichen soll, lässt uns einen tiefen Blick in Vorgänge in den niederen Volksschichten tun, und zu diesen gehört jedenfalls der Mann, der seine Frau aussperrt und die öffentliche Beieidigung R. Meirs, der diesem ja garnichts zu Leide getan hat, verlangt, aber auch, was für unsern Zweck von Wichtigkeit ist, lässt sie uns die Stimmung erkennen, die in jenen Kreisen gegen R. Meir herrschte, das Misstrauen, das man gegen ihn hegte; er galt nun einmal als ein den Frauen gefährlicher Mann. Dass die Frau so lange ausgeblieben war, empört den Mann weniger, als dass es R. Meir gewesen, der die mittelbare Veranlassung dazu war. Dass der Talmud das brutale Vorgehen des Mannes als von Eifersucht veranlasst ansieht, beweist die Stelle, in welche diese Erzählung im Jeruschaimi eingereiht ist. Im Gegensatz zu Vajikra r., wo diese Erzählung im Zusammenhang mit den