Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 450 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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450 Schlimme Legendengebilde über R. Meir. können, wenn sie nicht von vornherein auf den Erfolg verzichten soll. Betrachten wir den letzten Punkt zuerst: Was gab den Verleumdern die Handhabe für ihre Machinationen? R. Meir war nach Rom gereist, um seine Schwägerin, die dorthin als Gefangene geführt und, wie es dort Sitte war, in eines der Sehandhäuser gebracht worden war, aus der Schmach zu befreien. Als Römerfeind bekannt, wurde auf sein Ergreifen ein Preis gesetzt, sobald den Behörden sein Aufenthalt zur Kenntnis kam, und um jedem die Gelegenheit zu geben, den Preis zu gewinnen, und um seine Einlieferung desto sicherer zu machen, liess die Behörde sein Conterfei an die Tore der Stadt anschlagen. Nebenbei gesagt, die erste Kunde von einem Porträt- Steckbriefe. So lebte R. Meir in steter Lebensgefahr, und einmal schien diese Gefahr nahe an ihn heranzutreten, denn der Führer einer Stadtwache erkannte ihn; schon wollte man sich seiner bemächtigen, als er in ein römisches Speisehaus flüchtete, sich von den Speisen bringen liess und so tat, als ässe er davon; dies überzeugte den ihn verfolgenden Führer, dass der Verdächtigte nicht R. Meir sein konnte, da dieser von den ihm verbotenen Speisen nichts essen würde, und so entkam er seinen Verfolgern. Nach einer andern Version sei ihm auf der Strasse eine Dirne entgegengekommen, die ihn umarmte und küsste,. was, da er es sich gefallen liess, darauf schliessen liess, dass dies nicht R. Meir sein konnte. Der Talmud will in diesem Rettungsakt den Eingriff des Propheten Elijahu erkennen, der hier in der Gestalt der Dirne die Rettung vollbracht hat. So weit der Bericht des Talmud Ab. Sara 18 a. Jetzt machen wir uns die Situation klar. R. Meir führte seine Mission in eine nicht im Sinne der vornehmen Welt, aber im Sinne der jüdischen Einwohner verrufene Gegend Roms und in verrufene Häuser, wollte er ja den Aufenthalt seiner Schwägerin erforschen, und als ihm dies gelungen war, hatte er mit dem Aufseher des betreffenden Hauses wegen der Freigäbe der Schwägerin zu unterhandeln, resp. ihn gegen klingende Münze dafür zu gewinnen. Rom hatte eine ansehnliche Ge-