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Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 449

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 449 (sequence 33)
Language
German
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Schlimme Legendengebildc über R. Meir. 449 nur wenig Reste auf uns gekommen, aber spätere Nachbildungen* 2 3) sind sicherlich auf Grund vorliegender Texte entstanden, wenigstens sind sie im Geiste der alten Märchen erzählt. Da wird uns nun unter andern Geschichten ein Märchen aufgetischt, das dem, was R. Meir nachgesagt wird, sehr ähnlich ist, nur mit dem Unterschiede, dass es den Betreffenden nicht so tief herabsetzt, wie man versucht hat, R. Meir zu diskreditieren. Eine jugendliche Künstlerschar unterhielt sich über die Treue der Frauen; auf sie sei nicht zu bauen, wird behauptet, jede Frau sei zu verführen. Der Meister hingegen rühmt die Treue seiner Frau, sie unterliege keiner Versuchung, und er stellt es ihnen frei, eine solche zu wagen. Die Treue der Frau bewährt sich aber glänzend, alle müssen deren Tugendhaftigkeit lobpreisend anerkennen. Hier haben wir das Seitenstück zu unserer Erzählung, nur mit dem Unterschied, dass der Ehemann den Sieg des Versuchers nicht wollte, vielmehr sollte der Versuch die Richtigkeit seiner Behauptung, seine Frau sei fest in ihrer Treue, erweisen; er steht aber, so verwerflich jeder Anreiz zu einer Versuchung auch ist, höher da, als die Erzählung über R. Meir ihn uns darstellt. Man w^eiss, dass die Nachahmung, die sich im Verleumden wohltut, leicht zur Steigerung bereit ist, es ist aber auch möglich, dass Milesische Fabeln existiert haben, in denen der Mann ebenso schlecht abschneidet, wie unsere Fabel es den R. Meir lässt. Nun muss man sich aber fragen; Woher kommt das, dass man sich gerade R. Meir als Object so niederträchtiger Verleumdungen ersehen hat, die den Glauben an seine Sittenreinheit zu vernichten geeignet waren? Denn das ist ja das Gemeinsame, das die beiden üblen Nachreden kennzeichnet. Jede Verleumdung, jede üble Nachrede muss an irgend eine Handhabe sich halten sierten. Dies hat wohl auch die Kenntnis dieser Novellen in Vorderasien bewirkt. 2) Vor ungefähr 40 Jahren ist ein kleines Buch unter dem Titel: ״Milesische Märchen״ erschienen, das ich nicht mehr auftreiben konnte. Dieses enthält auch obige Erzählung, und ich vermute, dass der Verf. über eine Quelle verfügt hat, der er diese Erzählung nacligebildet hat. 3

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