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Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 448 (sequence 32)
Language
German
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448 Schlimme Legendengebilde über R. Meir. Zeit angeboren, aber welcher Zeit von den fünfhundert Jahren, die zwischen dem Abschluss des Talmuds und Raschi liegen, der uds mit der Legende über R. Meir bekannt macht? Die Quellen, aus denen Raschi und der 600 Jahre später lebende Heilperin geschöpft haben, sind nicht bekannt, wir tappen also über ihre Zeit im Dunkeln, das steht aber fest, dass diese Legendenbildung nicht erst in nachtalmudischer Zeit entstanden sein kann. Nach Abschluss der Mischnah (Mitte des 2. Jahrh.) und umsomehr nach dem des Talmud (6. Jahrh.) stand der Ruf R. Meirs so fest, dass nicht die geringste Gelegenheit gegeben war, ihm üble Nachrede anzudichten; es gab da weder persönliche noch sachliche Gegnerschaft. Was sollte eine spätere Zeit einem R. Meir Böses nachsagen, der schliesslich von seinen Zeitgenossen, zum wenigsten von dem nachfolgenden Geschlecht zu einer ausschlaggebenden Autorität dadurch gestempelt wurde, dass man seine halachischen Aussprüche und Urteile als ailgemeingiltige hinstellte, indem R. Jehudah bei der Festsetzung des Mischnahtextes bei vielen den Namen R. Meirs fortliess, um dessen Ansicht nicht als Meinung eines Einzelnen, sondern als die des gesamten Lehrkollegiums erscheinen zu lassen und die Halachah in ihrem Sinne festzustellen. (סתם מהד׳ כי׳ מאיר. Vgl. Beza 2 b רש״י, Stiehw. מאן סתם). Entstanden sind diese üblen Legenden zu Lebzeiten R. Meirs, die sich dann lange Zeit mündlich erhalten haben, in Anekdotensammlungen aufgenommen wurden, verschwanden, wieder auftauchten, und so sich erhielten, womit noch gar nicht gesagt ist, dass derjenige, der sich veranlasst sah, sie niederzusehreiben, an ihre Wahrheit geglaubt hätte. Für den Ursprung der schlimmsten dieser beiden üblen Nachreden liesse sich der Nachweis erbringen, dass er auf hellenischem Boden zu suchen sei. Die Fabel gehört dem Kreise der Milesischen Märchen an. Diese Märchen fanden in römischen Kreisen, eben dieses Inhalts wegen, viele Leser und mögen auch in jüdische Kreise eingedrungen sein1). Es sind 0 Aristides aus Milet, lebte im 1. Jahrh., verfasste eXijmaXa, 7 Bücher obszönen Inhalts, die von Cornelius Sisenna ins Lateinische übersetzt wurden und als solche im Lager des Crassus als beliebte Lektüre kur־

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