Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 447 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mentioned entities
- Bruriah 1× ep/1003848
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Schlimme Legendengebilde über R. Meir. 447 Frau in unserer Vorstellung lebt*). Nun sollR. Meir aus dem Mittelpunkt des damaligen jüdischen Lebens, vom Sitz der Hochschule entflohen sein aus Scham über den Selbstmord seiner Frau, nicht aus Scham über sein angebliches Doppelverbrechen an Frau und Schüler? Wie passt dann dazu, worauf weiter zurückzukommen sein wird, die Anklage gegen seine Landsleute, dass die bösen Nachreden ihn aus seinem Lande vertrieben hätten? Er hätte doch für seine Selbstexilierung sein Tun und Treiben anklagen müssen. Die Erzählung von der Berurja trägt durch ihre Ungeheuerlichkeit den Stempel der Lüge an sich, kein Hauch der Wahrheit ist an ihr zu spüren. Und Raschi, der anscheinend eine Tatsache berichtet, konnte er an die Wahrheit dieser Erzählung glauben? Sicherlich nicht. Raschi bedurfte nicht erst unserer dürftigen Weisheit, um sich zu sagen, dass eine auf Mangel an Logik und psychologischer Erkenntnis aufgebaute Geschichtsklitterung in sich selbst morsch und zerfallen sei, dass hier nicht Wahrheit sein könne. Dass er sie aber dennoch so mitteilt, dass sie auf den Leser den Eindruck eines wirklich geschehenen Vorgangs macht, ohne dass er durch eine Bemerkung schon mit Rücksicht auf die Ehre R. Meirs diesen Eindruck abzuschwächen sucht, könnte bei uns die Vermutung von der Unechtheit dieser Raschistelle — an solchen fehlt es gerade im Trakt. Ab. S. nicht — aufdrängen, allein zu solchem Ausweg dürfte nur die äusserste Not zwingen. — Eine kleine Konjektur aber ist geeignet, jene Schwierigkeit zu lösen. Ich halte es nicht für zu kühn und nicht zu fern liegend anzunehmen, dass am Anfang beregter Stelle die Worte אמרו עליו על ר מ oder ähnliche fehlen, womit das Ganze nur als ein Geschwätz gekennzeichnet ist. Wann sind nun diese Legenden entstanden? Der Talmud weiss nichts von ihnen, also müssen sie der nachtalmudischen *) Ich möchte die Vermutung aussprechen, dass wie Meir nach Ansicht mancher nicht der wirkliche Name des Tana, sondern ein schmückendes Beiwort, der Lichtverbreitende, ebenso auch der Name der Gattin ein schmückendes Beiwort, Berurja, die Reine, die Lautere sei, das dann zum Eigennamen sich umgebildet hat.