Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 445 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Schlimme Legendengebilde über R. Meir. 445 und mehr nach seinem Tode, zu einer Zeit, in der die allgemeine Verehrung, die seinem Andenken geweiht war, keinen Zweifel mehr über die Reinheit seines Charakters konnte aufkommen lassen. Zwei Vorkommnisse, die, wenn sie auf Wahrheit beruhten, unsern Lehrer aus der Gesellschaft von Ehrenmännern ausschalten würden, werden über ihn erzählt. Seder Hadoroth berichtet s. v. R. Meir, er sei einmal von der jungen Hausfrau, in deren Heim er Gastfreundschaft ge־ nossen, zum Ehebruch mit ihr verführt worden, nachdem sie ihn durch reichen Zuspruch von Wein berauscht hatte. Allerdings wird dieser Vorgang dadurch, dass das Verbrechen im Rausch begangen worden sei, einer mildern Beurteilung zugänglich gemacht und erscheint dadurch in einem minder trüben Licht, dass man ihn, nachdem ihm sein Unrecht zu Bewusstsein gekommen, als einen schwer Büssenden, fast Verzweifelnden hinstellt, der nur durch die Liebe des verzeihenden Gottes dem Tode entgangen sei. Wie belastend aber auch diese üble Nachrede sein mag, immerhin bewegt sie sich in den Grenzen des Denkbaren, und sie würde dem Sünder noch nicht den Stempel des Verworfenen aufdrücken. Denn kein Mensch, auch der Sittenreinste nicht, ist gefeit vor der Versuchung, und ob er Sieger über sie wird, das ist nicht immer mit Bestimmtheit vorauszusehen. Wenn R. Meir unter denen figuriert, an die die Versuchung in Gestalt eines Weihes herangetreten ist, der sie aber nicht erlegen sind (Ab. s. 18 b), so dient dies gerade zu seinem Ruhme und beweist, wie wenig Gewicht man auf jenes böse Geschwätz legte (vgl. zu diesen Sittenproben R. Hirsch Chajes in מבוא לאנדה und die dort zitierte Aeusserung des מהר״ל הביב). Do'ch über alles geht jene üble Nachrede hinaus, die R. Meir eine Nichtswürdigkeit andichtet. In b. Aboda Sara 18 b wird berichtet, dass R. Meir sich nach Assia*) fortgemacht (ערק) habe, nach einigen wegen Jenes *) Welche Provinz oder Stadt unter Assia zu verstehen sei, darin gehen die Meinungen weit auseinander; dass sie ausserpalästinensisch sei, geht aus R. Meirs Worten, die er vor seinem Tode sprach, er wolle an der Meeresküste, auf palästinischem Boden begraben sein, deutlich