Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 444 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Ein Kampf um Gott. ״ Kampf um Gott“ in die Welt hinaussendet; der sich nicht seiüen Gott erkämpft, welcher uns jeden Vernunftsgebraueh und jede Schönheitsanbetung als Leterodox versagen will und als von Gott ablenkend hinstellt. Aphoristik, Geistreichelei. Salongeplauder können die Herzensarmut dieses Werkes nicht verdecken. Wir harren noch des wahren jüdischen Gottessucher- Romans. Schlimme Legendengebilde über R. Me'ir. von Prof. Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. Grosse Männer können dem Schicksal nicht entrinnen, dass ihr Gedächtnis mit Legenden umwoben wird. Wenn diese ihr Andenken verklären und ihre Persönlichkeit in hellerem Glanze freundlich umstrahlen, so wäre dieses Geschick zu ertragen, wenn auch die geschichtliche Wahrheit nicht zu ihrem Rechte kommt, und wenn die Kritik aus diesem Sonnenglanz grosse Strahlenbündel zu entfernen sich berechtigt sieht, schadet dies dem Ansehen einer mächtigen Persönlichkeit nicht. Der Grosse bleibt immer gross, ja vielleicht erst recht gross, wenn das Uebermenschliche, das die Zeit ihm angedichtet hat, von seiner Persönlichkeit abgestreift wird. Aber es gibt ein schlimmeres Schicksal, wenn die Legendenbildung den entgegengesetzten Weg gegangen ist und einer überragenden und von Zeitgenossen und später Geborenen erweislich hochgeschätzten Persönlichkeit Dinge schlimmster Art nachgesagt werden, die den so Gekennzeichneten als einen Auswurf der Menschheit der Nachwelt erscheinen lassen. Da fragt man sich doch: Wie konnte ein solches Gebilde, das die Lüge für jedermann deutlich in sich trägt, entstehen? R. Meir gehört zu den grossen Männern, von denen wir eben gesprochen haben. Ueble Nachrede hat sich ihn zum Opfer erkoren und hat Schlimmes über ihn ausgesprengt; es ist nur zu verwundern, dass dieses in jüdischen Schriftwerken verewigt wurde, und zwar zu einer Zeit, in der die Geschichte über diesen Heros der Judenheit schon längst abgeschlossen war, 100 Jahre